Milliardenschwer: Deutschland startet eigenes Raumfahrtprogramm - DER SPIEGEL
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Milliardenschwer Deutschland startet eigenes Raumfahrtprogramm

Der eigenständige Flug zum Mars ist zwar nicht geplant, dennoch will die Bundesregierung in den kommenden vier Jahren acht Milliarden Mark in die Eroberung des Weltalls stecken.
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Berlin - Deutschland hat erstmals seit knapp 20 Jahren wieder ein Raumfahrtprogramm. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch in Berlin, etwa acht Milliarden Mark für die Raumfahrt ausgeben. Der Löwenanteil davon komme aus dem Etat ihres Ministeriums, sagte Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD).

Schwerpunkte des deutschen Raumfahrtprogramms sind neben Erdbeobachtung, Telekommunikation, Navigation und Weltraumerforschung auch der Aufbau und Betrieb der Internationalen Raumstation ISS sowie die Forschung unter Weltraumbedingungen. Mit dem Programm wurden laut Bulmahn ein verlässlicher Rahmen und Planungssicherheit für Wissenschaft und Industrie geschaffen, der jahrelang gefehlt habe.

Die Bundesregierung stehe damit auch zu internationalen Verpflichtungen, sich mit 41 Prozent am europäischen Anteil beim Aufbau der Internationalen Raumstation zu beteiligen. Insgesamt macht Europas Beitrag zur ISS allerdings nur rund fünf Prozent der Bau- und Betriebskosten aus.

Ergebnisse der Raumfahrtforschung seien heute aus dem Alltag nicht mehr weg zu denken. Als Beispiele nannte Bulmahn die Wetterbeobachtung, die Kommunikation und Fernsehübertragungen. Jetzt gehe es darum, den Anteil der deutschen Wirtschaft an den weltweiten kommerziellen Umsätzen in der Raumfahrt deutlich auszuweiten.

Die EU-Trägerrakete Ariane solle als "Garant für einen gesicherten europäischen Zugang zum Weltraum" wettbewerbsfähig gehalten werden. Beim Transport von kommerziellen Satelliten ins All habe Ariane trotz harter amerikanischer Konkurrenz inzwischen einen Weltmarktanteil von 50 Prozent, sagte Bulmahn. Die Raumfahrttechnik habe "auf vielen Gebieten Marktreife erlangt" und sei für Deutschland wie für Europa ein Wirtschaftsfaktor.

Um den Wettbewerb auch in der Raumfahrtindustrie zu stärken, werde die Bundesregierung die Spezialisierung von Tochterfirmen europäischer Raumfahrtkonzerne in Deutschland unterstützen. Es gehe darum, attraktive Nischenmärkte zu besetzen.

Das letzte deutsche Raumfahrtprogramm war vor 18 Jahren verabschiedet worden. Bulmahn will Ende 2001 den Vorsitz der Ministerratskonferenz der europäischen Weltraumorganisation Esa übernehmen. Das deutsche Programm könnte dabei Muster für eine neue europäische Konzeption werden.