"Mir"-Absturz Aufprall am Freitag
Moskau - Den Termin für den kontrollierten Absturz der 15 Jahre alten Station legten russische Raumfahrtexperten am Montag bei einer Sitzung in der Flugleitzentrale bei Moskau fest. Mit der Versenkung der letzten Trümmer in den Weiten des Südpazifiks sei am 23. März gegen 7.20 Uhr MEZ zu rechnen. Hartnäckige Fans hofften dagegen auf einen Weiterbetrieb der Station - zum Beispiel durch einen Verkauf an den Iran.
Die Techniker verzeichneten am Montag einen Rekordhöhenverlust der Mir von drei Kilometern an einem Tag. Die Umlaufbahn verlief in 227,9 Kilometern Höhe um die Erde - nur noch knapp über der Marke von 220 Kilometern, bei der die Bremsmanöver eingeleitet werden sollen.
Der erste Bremsschub solle Freitagnacht um 1.33 Uhr MEZ gezündet werden, der zweite gegen 3.00 Uhr, sagte der Direktor des zentralen russischen Forschungsinstituts für Maschinenbau, Nikolaij Anfimow. Danach umkreise die Raumstation noch zweimal die Erde, die Flugdaten würden noch einmal überprüft. Gegen 6.00 Uhr werde der letzte entscheidende Impuls mit allen Antriebssystemen der Mir und des angekoppelten "Progress"-Raumfrachters gegeben.
Das geplante Zielgebiet sei noch einmal korrigiert worden, um einige französische Südseeinseln nicht zu gefährden, sagte Anfimow. Am Dienstag soll der Ablaufplan von der russischen Raumfahrtbehörde Rosawiakosmos gebilligt werden.
Der iranische Präsident Mohammed Chatami sprach nach russischen Angaben bei seinem Besuch in der Flugleitzentrale in der vergangenen Woche halb im Ernst die Möglichkeit eines Kaufs der Mir an. Er schlug auch vor, dass der Iran die Finanzierung der Mir für zwei bis drei Jahre übernehmen und Russland dafür iranische Kosmonauten ausbilden könnte. "Aber er kam zu spät", sagte Radschab Safarow, der Koordinator der iranisch-russischen Programme, am Montag.
Der russische Parlamentspräsident Gennadij Selesnjow bat Präsident Wladimir Putin unterdessen erneut um eine Gnadenfrist für die alternde Raumstation. Wie Selesnjow vor Journalisten sagte, schlug er Putin in einem Brief vor, die Mir in eine höhere Erdumlaufbahn zu bringen und sie dort zu modernisieren. Putin habe auf den Vorschlag allerdings nicht reagiert.
Ein Großteil der knapp 140 Tonnen schweren Station soll beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühen. Anfimow sagte, 20 bis 25 Tonnen Weltraumschrott würden in Tausenden von Einzelteilen mit einem Flammenschweif in den Pazifik stürzen. Experten der US-Raumfahrtbehörde Nasa rechneten eher mit noch mehr Trümmerteilen.