Muskel-Tuning Mediziner warnen vor Insulin-Missbrauch
Insulin könnte in Bodybuilder-Kreisen als Dopingmittel weiter verbreitet sein als bisher angenommen. Britische Ärzte, die Hinweise auf diese Verwendung gesammelt haben, weisen im Fachmagazin "British Journal of Sports Medicine" auf die möglicherweise tödlichen Folgen eines solchen Missbrauchs hin.
Der Fall eines gesunden jungen Bodybuilders, der bewusstlos in die Klinik eingeliefert wurde, ließ die britischen Ärzte Phil Evans und Richard Lynch vom Royal Infirmary in Hull aufmerken. Der Mann gab später zu, regelmäßig etwa dreimal die Woche Insulin in Kombination mit Steroiden einzunehmen, um seine Muskelmasse aufzubauen. Nach weiteren Nachforschungen vermuten die Mediziner, dass dieses Vorgehen unter Bodybuildern nicht ungewöhnlich ist.
Insulin sorgt dafür, dass normaler Zucker in eine Speicherform, das so genannte Glykogen, umgewandelt wird. Diese Speicherform ist der Treibstoff der Muskeln. Eine gleichzeitige Einnahme von Insulin und zuckerhaltigen Lebensmitteln vergrößert die Glykogen-Speicher der Muskeln und erhöht somit Leistungsfähigkeit und Ausdauer beim Training.
Besonders attraktiv für die Athleten ist die Tatsache, dass Insulin natürlicherweise im Körper vorkommt. Selbst wenn also ein Routinetest für Insulin zur Verfügung stünde, könnte nicht unterschieden werden, ob es sich um körpereigenes oder künstlich zugeführtes Insulin handelt, schreiben die Wissenschaftler.
Die Einnahme von Insulin ist alles andere als ungefährlich, warnen die Mediziner. Während die Auswirkungen bei Diabetes-Patienten sehr gut bekannt sind, gibt es praktisch keine Informationen über die Langzeitfolgen für den gesunden Patienten. Die kurzzeitigen Wirkungen können jedoch dramatisch sein: Unterschätzen die Anwender beispielsweise den Zuckerbedarf nach einer Insulineinnahme, kann ein so genanntes hypoglykämisches Koma und sogar der Tod eintreten.