Naturkatastrophen Wenn Wetter gefährlich wird
Alberto, Beryl, Chris und Debby - hübsche Namen für eher unerfreuliche Angelegenheiten. Es sind die Namen der vier Wirbelstürme, die sich dieses Jahr über dem Atlantik ausgetobt haben. Debby wütete erst am vergangenen Wochenende über der Karibik und bedrohte die ostamerikanische Küste. Andere Hurrikan-Namen, Andrew, Hugo oder Mitch etwa, sind bereits in die Meteorologie-Geschichte eingegangen. Der Hurrikan Andrew beispielsweise verwüstete im August des Jahres 1992 den Süden Floridas und verursachte dabei Schäden von rund 30 Milliarden Mark.
Jedes Jahr fordern Naturkatastrophen Menschenleben und verursachen materielle Schäden in riesigen Ausmaßen. Die Furcht vor den Gewalten ist deshalb oft sehr groß, das Hintergrundwissen über Entstehung und Ablauf dieser Prozesse dagegen eher gering.
Das zumindest findet ein Meteorologe und Geophysiker: Thomas Sävert, Wetterfrosch bei den NRW-Lokalradios, hat sich die Aufgabe gestellt, dem Unwissen in diesem Bereich ein wenig abzuhelfen. Seit mehreren Monaten arbeitet er deshalb an einer Website, die das Thema Naturkatastrophen aufgreift und eingehend beleuchten will. Unter www.saevert.de finden sich eine Unmenge an Texten, Fotos und Links zum Thema. Wetterdienste komplettieren das Angebot durch aktuelle Karten und Radarbilder.
SPIEGEL ONLINE: Warum braucht das Netz eine Seite über Naturkatastrophen?
Herr Sävert: Das Thema Naturkatastrophen ist ständig aktuell. Zur Zeit fressen sich Waldbrände durch den gesamten Mittelmeerraum, am Wochenende wütete ein Hurrikan in der Karibik. Die Berichterstattung der Medien ist dabei leider oft fehlerhaft. Gerne wird da mal ein Tornado mit einem Hurrikan verwechselt, das sind keine Seltenheiten. Außerdem ist mir aufgefallen, dass es zwar verschiedene "Wetterseiten" im Internet gibt. Doch ein Angebot, das Hintergründe und aktuelle Informationen zu den Themen Wetter und Naturkatastrophen liefert, existierte bisher zumindest im deutschsprachigen Bereich nicht.
SPIEGEL ONLINE: Wer soll Ihre Seite nutzen? Die Kollegen Kachelmann und Co.?
Sävert: Nicht nur. Die Seite soll zwar auch Fachleuten weiterhelfen - ich selbst benötige oft auf die Schnelle einen Überblick über aktuelle Wetterentwicklungen. Deshalb benutze ich sie übrigens auch selbst. Auf Laien ist zur Zeit in der Tat Einiges wohl noch zu wenig abgestimmt, doch ich arbeite ständig an Erläuterungen, die jeder verstehen kann. Doch eigentlich möchte ich ein breites Publikum ansprechen, Hobby-Meteorologen gibt es Tausende.
SPIEGEL ONLINE: Was wollen sie Ihren nicht-professionellen Usern vermitteln?
Sävert: Sie sollen sich informieren können: Wo zieht gerade ein Wirbelsturm entlang? Sie sollen erklärt bekommen, was das eigentlich ist - ein Tsunami, ein Tornado, ein Hurrikan. Und sie sollen sich auf die Wetterbedingungen im Urlaubsland vorbereiten können.
SPIEGEL ONLINE: ...um dann nicht bei Erdbeben in der Türkei zu sitzen.
Sävert: Ja, zum Beispiel. Es gibt tatsächlich Reisebüros, die schicken ihre Kunden im September auf die Bahamas, ohne ihnen mitzuteilen, dass das dort die Hauptwirbelsturmzeit ist. Ich arbeite gerade daran, dass über meine Seite Wetterinformationen über jedes Land der Welt abrufbar sind. Auch ein Urlaub im Erdbebengebiet ist tatsächlich zu vermeiden.
SPIEGEL ONLINE: Ihre Website ist bereits sehr umfangreich, vom Tornado bis zur Lawine ist fast jede vorstellbare Naturkatastrophe in Text und Bild vertreten. Wie viel Zeit investieren Sie in die Beschäftigung mit Ihrer Seite?
Sävert: Da ich allein schreibe, tippe und programmiere, sitze ich seit Februar jeden Tag mindestens ein bis zwei Stunden am Computer, um die Seite zu erweitern und zu aktualisieren. Demnächst wird zum Beispiel noch eine Seite zum Thema Dammbrüche hinzukommen. Das Thema ist bei Weitem noch nicht erschöpft.
SPIEGEL ONLINE: Es ereignen sich ja ständig neue Naturkatastrophen. Was gibt es zum Beispiel über Hurrikan "Debby" zu berichten, der am Wochenende in der Karibik wütete?
Sävert: "Debby" hat sich etwas überraschend entwickelt. Er ist Haiti und der Dominikanischen Republik recht nahe gekommen und hat sich dann dort und über dem felsigen Kuba stark abgebremst und in zwei Tiefs gespalten. Das eine bringt zur Zeit starke Regenfälle in Florida und wird sich in den nächsten Tagen über den Bahamas formieren. Dort muss man durchaus mit einem neuen Wirbelsturm rechnen - der hieße übrigens Ernesto. Die Seite zu diesem Thema habe ich schon fast fertig. Wenn es so weit ist, werde ich sie ins Netz stellen.