Neuer Wirkstoff: Pille bekämpft die Pocken - DER SPIEGEL
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Neuer Wirkstoff Pille bekämpft die Pocken

Ein möglicher Ausbruch der Pocken könnte sich mit einer von US-Forschern entwickelten Pille eindämmen lassen: Der neue Wirkstoff soll hundertmal effektiver sein als herkömmliche Mittel.
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Seit über drei Jahrzehnten gelten die Pocken als ausgerottet, offiziell existieren Virenbestände nur noch bei den amerikanischen Centers for Disease Control und dem ehemaligen Biowaffenlabor Vector in Sibirien. Doch seit den Milzbrand-Anschlägen in den USA ist die Angst gewachsen, dass sich Terroristen des Erregers bemächtigen und damit eine verheerende Epidemie auslösen könnten.

Nun haben US-Forscher einen Wirkstoff entwickelt, der bei der Bekämpfung möglicher Ausbrüche helfen könnte. In ersten Experimenten an Zellkulturen und mit Kuhpocken-infizierten Mäusen konnte die Gruppe um Karl Hostetler von der University of California in San Diego nachweisen, dass die neue Substanz die Vermehrung des Pockenvirus und weiterer Erreger erfolgreich unterdrückt.

"Bislang beruhte die Ausrottung und Kontrolle der Pocken auf der Impfung", erklärte Hostetler, der die Resultate des Teams am Mittwoch auf einer Konferenz in Prag vorstellte. Die Tests hätten jedoch gezeigt, dass das oral eingenommene Antiviren-Medikament dazu dienen könnte, "einen zukünftigen Ausbruch der Pocken zu behandeln und einzudämmen", so der Forscher.

Derzeit ist das Mittel noch nicht erhältlich: Vor einer Anwendung beim Menschen müssen den Forschern zufolge noch weitere Tierversuche und klinische Studien durchgeführt werden. Bestätigen diese Untersuchungen die bisherigen Ergebnisse, dann könnte die Einnahme der Pille über 5 bis 14 Tage den Pocken vorbeugen oder die bereits ausgebrochene Krankheit bekämpfen, so Hostetler.

Der neue Wirkstoff mit der Bezeichnung Hexadecyloxypropyl-Cidofovir (HDP-CDV) ist eine Weiterentwicklung von Cidofovir. Dieses bereits existierende Antiviren-Mittel hat zwar auch einen Effekt auf die Vermehrung des Erregers, muss jedoch gespritzt werden - laut Hostetler wäre das ein entscheidender Nachteil bei einer großräumigen Epidemie. Zudem soll HDP-CDV hundertmal wirksamer sein als der Ausgangsstoff.

Die Aussicht, eine Bio-Attacke mit dem hoch ansteckenden Virus durch Tabletteneinnahme entschärfen zu können, mobilisiert auch das Militär: Derzeit befasst sich das Medical Research Institute of Infectious Diseases der US-Armee mit der Anti-Pocken-Pille.

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