Neues aus der Archäologie Ein Sparschwein im Eimer
Columbus: Suche im Schlamm
+++ Versunkener Stadtteil wieder aufgetaucht +++
Untergegangene Städte begeistern Archäologen ganz besonders. Wenn der Wasserpegel sinkt und lange verdeckte Ruinen wieder freigibt, ist das besser als Ostern, Weihnachten und Geburtstag zusammen. Ein solches Fest können derzeit die Archäologen des Unternehmens Southern Research in Columbus (US-Bundesstaat Georgia) feiern.
Nachdem der Eagle Phenix Dam am Chattahoochee River gesprengt wurde, liegen nun diejenigen Teile der Stadt wieder frei, die seit dem ersten Dammbau von 1844 gut konserviert unter der Wasseroberfläche verborgen waren. Die Archäologen um Dean Wood fanden nicht nur ältere Dämme, sondern auch Gebrauchsgegenstände wie Holzeimer, Gewehre, Flaschen und eine Trompete. Die meiste Aufmerksamkeit von allen Funden bekommt derzeit allerdings eine alte Gasflasche - sie sieht aus wie eine Kanone und wird von begeisterten Spaziergängern auch meist für eine solche gehalten.
Mysteriös sind bislang noch fünf Pyramiden, deren Zweck die Archäologen noch nicht ergründet haben. Wahrscheinlich gehören sie zu einer Konstruktion, mit der Treibgut gefunden werden sollte.
Die Archäologen beschäftigt vor allem die Geschichte der vielen Dammkonstruktionen. An ihnen können sie ein Stück Industriegeschichte der Stadt dokumentieren. Das nun freigelegte Areal war einst das Industriegebiet der Stadt. Hier standen drei aufeinanderfolgende Mühlen. Eine von ihnen brannten am 17. April 1865 die Soldaten der Union nieder, um den Nachschub für die Konföderierten abzuschneiden.
+++ Wikingersparschwein ausgebuddelt +++
Am Gründonnerstag fanden Archäologen auf einem Feld in Rone auf der dänischen Insel Gotland ein ganz besonderes Osterei: Sie entdeckten einen Bronzeeimer, gefüllt mit Silbermünzen aus den Jahren 1000 bis 1040. Wahrscheinlich wurden die Geldstücke in Deutschland geprägt. Bislang ist der Fund allerdings nicht mehr als ein verklebter Metallklumpen. "Noch können wir uns nicht sicher sein, weil die Röntgenstrahlen das Silber nicht durchdringen", sagt Ausgräber Per Widerström. "Es könnten auch andere Silberteile in dem Eimer sein, aber bisher sieht es so aus, als wäre er bis zum Rand mit Silbermünzen gefüllt."
Gotland: Wikingerschatz auf Feld entdeckt
Der Archäologe bezeichnet den Eimer als eine Art wikingerzeitliches Sparschwein. Die Größe des Schatzes ist bemerkenswert, denn er markiert einen Wendepunkt in der Stellung der Händler in der Gesellschaft der Wikinger. "Münzfunde aus der Zeit vorher sind meist viel kleiner. Diejenigen aus der Zeit danach aber sind - auch wenn sie seltener vorkommen - meist sehr viel größer." Es ist nicht der erste Wikingerschatz, der in diesem Feld gefunden wurde. Bereits 1880 kam dort ein Hort mit fast 6000 Münzen aus dem 11. Jahrhundert ans Licht. Jetzt sei das Feld aber definitiv leer, versichert Widerström: "Wir sind uns sicher, dass dort nun nichts mehr zu finden ist."
+++ Mit Columbus kam das Feuer +++
Es muss nicht immer Feuer sein: Archäologen und Paläoökologen haben herausgefunden, dass die frühen Bewohner der Savannen um das Amazonasgebiet ihr Land nachhaltig und ohne Brandrodung bewirtschafteten. Ihr Geheimnis waren stattdessen erhöhte Beete - Hügel aus fruchtbarem Sedimentschlamm. Dafür untersuchten die Forscher Bohrkerne aus dem heutigen Französisch Guayana. Auffällig war darin ein starker Anstieg der Kohlenstoffpartikel in der Zeit nach 1492, der Ankunft der Europäer in der Neuen Welt.
Französisch Guayana: Pflanzhügel statt Brandrodung
Die Forscher um José Iriarte von der britischen University of Exeter hatten eigentlich erwartet, in der Savannenlandschaft ein ähnliches Bild zu finden wie im tropischen Regenwald. Dort war Brandrodung im großen Stil üblich, bis die Eroberer kamen und durch ansteckende Krankheiten den Großteil der Bevölkerung vernichteten. Danach waren keine Bauern mehr übrig, die den Wald hätten abbrennen können.
Doch die Savannenbewohner wirtschafteten offenbar vor Ankunft der Europäer sehr nachhaltig, berichten die Forscher in der Ausgabe der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences". Die Pflanzhügel waren zwar arbeitsintensiv, verbesserten aber die Entwässerung und Belüftung des Bodens. Der Sedimentschlamm sorgte für eine gute Düngung. "Diese uralte, bewährte und feuerfreie Nutzung des Bodens könnte den Weg bereiten für die moderne Wiedereinführung der Hochbeete in ländlichen Amazonasregionen", glaubt Iriarte.
+++ Grabkammer gewährt Einblick in das Leben frühester Briten +++
Auf einem einsamen Feld in Wales haben Archäologen eine der ältesten steinernen Grabkammern Westeuropas gefunden. Darin sind sogar Knochen erhalten. Von ihnen erhoffen sich die Forscher Informationen über das Leben und Sterben der ersten Briten. Diese errichteten das jungsteinzeitliche Portalgrab vor rund 5500 Jahren.
Als Abdeckung hievten sie eine tonnenschwere Steinplatte über das Grabmonument und verzierten den Riesenstein mit Dutzenden von gemeißelten Löchern. Dem Toten gaben sie Keramik und Schmuck aus durchbohrten Muschelschalen mit ins Grab. Zwei dieser etwa 4,5 Zentimeter großen Muscheln konnten die Ausgräber noch bergen. Ähnlichen Muschelschmuck kennen die Archäologen bereits aus einer nahen Siedlung an der Küste. Diese war in der frühen Mittleren Steinzeit, um 7000 vor Christus, bewohnt.
Wales: Grab aus der Jungsteinzeit entdeckt
Mit Bodenradar haben die Forscher die Steinsetzungen untersucht, ohne den Boden aufgraben zu müssen. Dabei entdeckten sie die Umrisse der Kammer sowie eine Steinreihe, die auf das Grab ausgerichtet ist. Der Archäologe Aron Mazel von der Newcastle University ist sich sicher, dass vor allem die Knochen noch viel über die Menschen verraten werden, die diese Riesensteine bewegten: "Woher kamen diese Menschen? Und wo lebten sie?"