Ostsee Wrack der "General von Steuben" entdeckt
"Wir sind zu 95 Prozent überzeugt, dass es die 'Steuben' ist", sagte Henryk Nitner, Leiter der Abteilung Hydrographie der polnischen Marine in Gdingen (Gdynia). Er bestätigte damit einen entsprechenden Artikel im Magazin "National Geographic". Letzte Sicherheit aber könne erst eine Unterwasser-Untersuchung bringen. Bisher, so Nitner, konnten Taucher wegen des schlechten Wetters in der Ostsee nicht zu dem Wrack vordringen. Seine Identität soll allerdings noch in diesem Jahr endgültig geklärt werden.
Die "General von Steuben" war am 9. Februar 1945 von Pillau in Ostpreußen mit rund 4000 Flüchtlingen und verwundeten Soldaten an Bord ausgelaufen. Tags darauf wurde sie von einem russischen U-Boot vor der Danziger Bucht torpediert und sank. Nur 600 Menschen überlebten das Desaster, das als drittgrößte Schiffskatastrophe der Geschichte gilt. Lediglich bei den ebenfalls in der Ostsee versenkten Flüchtlingsschiffen "Wilhelm Gustloff" im Januar 1945 und "Goya" drei Monate später waren mehr Menschen umgekommen.
Im Mai hatte ein Vermessungsteam der polnischen Marine mehrere Stellen untersucht, an denen Wracks vermutet werden. Über die Lage der "General von Steuben" existierten mehrere Theorien. Schon vor zwei Jahren hatte der Paderborner Wracktaucher Ulrich Restemeyer behauptet, das Schiff in einer Tiefe von 23 Metern etwa 16 Seemeilen vor der polnischen Stadt Stolp (Slupsk) entdeckt zu haben. "Ich habe nie behauptet, es gefunden zu haben und ich wollte auch nie der Erste sein", kommentierte Restemeyer die Nachricht aus Polen.
Ihm sei klar gewesen, dass die Wahrscheinlichkeit nur "bei 85 Prozent" gelegen habe. "Es hätte halt alles gepasst - die Ausmaße, die Form der Schiffsschrauben, der Anker, die Bullaugen - aber einen Schriftzug 'Steuben' haben wir ja nie gesehen." Es sei durchaus denkbar, dass baugleiche Schwesterschiffe in der Ostsee lägen. Insgesamt wurden dort zum Ende des Zweiten Weltkrieges 73 Schiffe versenkt.
Die neue Fundstelle der "Steuben" liegt Nitner zufolge in der Nähe der "Wilhelm Gustloff", die zehn Tage zuvor in der Ostsee ebenfalls von einem russischen U-Boot versenkt worden war. Rund 9000 Menschen starben bei der größten Katastrophe in der Geschichte der Seefahrt.
Aus Sorge vor Wrackräubern wird der genaue Fundort der "Steuben" laut Nitner noch geheim gehalten. Ultraschallaufnahmen der Marine zeigten an der Fundstelle ein sehr großes und intaktes Wrack mit einen klar erkennbaren Torpedotreffer in der Mitte des Rumpfes. Nach der Analyse der Fotografien, dem Vergleich mit historischen Aufnahmen der "Steuben" und Konsultationen mit Experten des Meeresmuseums in Danzig verfestigte sich die Überzeugung, dass die Marine das Schiff tatsächlich gefunden hat.
"Wir sehen diesen Ort auch als Friedhof für mehr als 3000 Menschen", sagte Nitner. Deshalb sei es für die polnische Marine wichtig, dass das Wrack auf den Seekarten entsprechend markiert werden könne. "Es regt uns auf, wenn kommerzielle Firmen kommen, und mit ihren Tauchgängen die Würde eines solchen Ortes verletzen."