Partnersuche Der mit dem Fisch protzt
Die Männer der Meriam, einem vor der Nordostküste Australiens lebenden Inselvolk, verbringen ihre Zeit hauptsächlich mit der Schildkrötenjagd und dem Speerfischen - obwohl diese Methoden der Nahrungssuche kaum geeignet sind, den Magen zu füllen. Die scheinbar unökonomische Vorgehensweise erklären Anthropologen mit einem Antrieb, der sich auch bei modernen Sportfischern findet: dem Buhlen um Anerkennung.
Es mache keinen Sinn, das Verhalten der männlichen Jäger mit dem Nahrungserwerb zu erklären, berichtet das Team um Rebecca Bliege Bird von der University of Utah in der Fachzeitschrift "Behavioral Ecology and Sociobiology". So bringe das Sammeln von Schalentieren - bei den Meriam Frauensache - viel bessere Erträge. Dennoch widmen sich die meisten Männer beinahe ausschließlich dem Fischen mit dem Speer.
Die Forscher glauben, dass die Männer mit den riskanten Jagdgängen potenziellen Partnerinnen und Konkurrenten ihre Kühnheit demonstrieren wollen. Um möglichst viel Aufsehen zu erregen, schleppen die Speerfischer ihre Beute nicht wie die Frauen in Eimern nach Hause, sondern tragen die Fische für alle gut sichtbar in ihren Händen.
Auch die Schildkrötenjagd, die von den Meriam vor großen Festen veranstaltet wird, ist wenig effektiv. Einer der Männer kümmert sich dabei als Jagdleiter um die Boote und bestimmt die Strategie. Für seine Mühen bekommt er kein Geld, und auch von der Beute behält er meist nichts für sich. Dafür erntet er die größte Anerkennung, wenn die Jagd erfolgreich war - oder den Spott, wenn die Männer mit leeren Händen zurückkehren.
"Die Schildkrötenjagd ist eher mit einer politischen Strategie zu vergleichen", erklärt Bliege Bird. So hätten die älteren Meriam berichtet, dass man noch vor 20 oder 30 Jahren ein guter Jäger hätte sein müssen, um eine angesehene Frau heiraten zu können.