Patientensicherheit: Das Schweigen der Ärzte - DER SPIEGEL
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Patientensicherheit Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

in einem Chirurgiebuch aus dem Jahr 1927, das ich von meinem Großvater geerbt habe, steht der aufschlussreiche Satz: "Höflichkeitsphrasen wie 'bitte', 'Verzeihung' und Ähnliches, die ja auch in dem mit dem chirurgischen Operationsbetriebe starke Ähnlichkeit aufweisenden Militärdienste längst verboten sind, sind nicht allein überflüssig, sondern auch zeitraubend und gelegentlich missverständlich." Vor 92 Jahren war klar: Der Arzt befiehlt, in knappen Worten, und alle anderen haben zu gehorchen.

Teilweise funktioniert der Krankenhausbetrieb immer noch so. Vorteilhaft für den Patienten ist das nicht, im Gegenteil: Eine gute Kommunikation zwischen Ärzten und Pflegepersonal kann wahrscheinlich sogar Leben retten, wie Forscher der University of Michigan Ann Arbor jetzt festgestellt haben.

Die Forscher untersuchten dafür exemplarisch Blasen- und zentrale Venenkatheter, die bei einer großen OP gelegt werden. Diese Kunststoffschläuche, die tief in den menschlichen Körper ragen, sind Einfallstore für Keime. Jede vierte Krankenhausinfektion geht auf medizinisches Material wie Katheter zurück. Dass sich Bakterien im Laufe der Zeit entlang der Kunststoffschläuche ausbreiten und so irgendwann in die Blase oder die Blutbahn geraten, lässt sich nur schwer vermeiden. Umso wichtiger ist es, die Katheter zügig wieder zu entfernen, wenn sie nicht mehr benötigt werden; im Extremfall kann das über Leben und Tod entscheiden.

Doch die Entscheidung, ob ein Katheter entfernt werden sollte, können Ärzte am besten nach Rücksprache mit Schwestern und Pflegern fällen. Diese wissen, wie selbstständig der Patient nach der OP schon wieder ist, und sie sind auch für die Hygiene der Plastikschläuche zuständig, sehen also eher als Ärzte, ob bereits eine Infektion droht. Zudem zieht auf vielen Stationen das Pflegepersonal die Katheter heraus. Die Wissenschaftler aus Michigan haben deshalb untersucht, wie gut Ärzte und Pfleger bei dieser Aufgabe zusammenarbeiten. Ihr erschreckender Befund: Viele Katheter verbleiben länger als erforderlich im Körper, weil die Kommunikation zwischen Ärzten und Pflegepersonal nicht funktioniert.

So erwies sich die Verständigung über die elektronische Patientenakte oft als zu kompliziert. Wollten die Pfleger noch einmal nachfragen, waren die Mediziner häufig nicht zu erreichen. Für einen ausführlichen Austausch war ohnehin kaum Zeit. Und mitunter trauten sich die Pfleger wegen der steilen Krankenhaushierarchie nicht einmal, die Ärzte auf das Thema anzusprechen.

Manager und Piloten wissen: Fehler passieren immer da, wo kommuniziert werden muss. Das Problem mit den Kathetern zeigt exemplarisch, wie wichtig eine bessere Kommunikation zwischen dem Krankenhauspersonal auch für die Sicherheit von Patienten ist. 1927 hieß es noch, das "Überragende" eines Chirurgen liege in seiner "Mitarbeiter und Kranke in seinen Bann zwingenden Persönlichkeit". Heute weiß man: Am Ende ist jeder Operateur nur so gut wie das Team, das hinter ihm steht. Ich persönlich finde einen Arzt, der zuhören kann, auch viel netter als einen, der andere in seinen Bann zwingen will.

Herzlich

Veronika Hackenbroch

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Eine für Insekten angefertigte 3-D-Brille haben Neurowissenschaftler der Universität von Newcastle einer Gottesanbeterin mit Bienenwachs vor die Augen geklebt. Damit durfte sich das Tier in einem Miniaturkino 3-D-Filme ansehen, die computeranimierte Beute zeigten. Das ungewöhnliche Experiment hatte einen seriösen Hintergrund: Während der Film lief, maßen die Forscher die Aktivität der Nervenzellen im Gehirn der Gottesanbeterin, um mehr über die komplexe Funktionsweise ihres winzigen Denkorgans herauszufinden.

Foto: Newcastle University/ Ferrari Press/ ddp images

Fußnote

8.739.939 Lebensjahre gingen Amerikanern durch tödliche Krebserkrankungen im Jahr 2015 verloren. Das berichtet die American Cancer Society, welche die Daten von Tumorpatienten im Alter von 16 bis 84 Jahren ausgewertet hat. Die meisten Lebensjahre werden dabei durch Lungenkrebs vernichtet. Durch den vorzeitigen Tod entgingen den Betroffenen zudem Gehälter und weitere Einnahmen in Höhe von 94,4 Milliarden Dollar.

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