Peru: Ältester Goldschmuck Amerikas entdeckt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Peru Ältester Goldschmuck Amerikas entdeckt

Vor 4000 Jahren wurde die Kette mit den neun Perlen zusammengefädelt - es handelt sich damit um das älteste bekannte goldene Schmuckstück Amerikas. Archäologen haben es am Titicacasee in Peru ausgegraben. Das Gold stammt direkt aus den Anden und wurde offenbar kalt gehämmert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Washington - Schmuck aus Gold schätzten die Jäger und Sammler Amerikas schon vor 4100 Jahren: Den Beweis dafür haben jetzt Mark Aldenderfer und seine Kollegen von der University of Arizona in Tucson geliefert: Eine Goldkette aus schmalen, goldenen Hülsen, zwischen die kleine Türkisminerale gesetzt wurden.

Als goldene Grabbeigabe deutet das Schmuckstück darauf hin, dass sich in den Jäger- und Sammlergesellschaften auf dem Weg zur Sesshaftigkeit langsam soziale Unterschiede entwickelten, wie die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" (Bd. 105, S. 5002) schreiben.

Die Archäologen hatten in einer Ausgrabungsstätte mit fünf Grubenhäusern nahe dem Titicacasee gegraben, die nur saisonal bewohnt wurden. In der Nähe von Schädelknochen fanden sie die neun goldenen Kettenelemente und elf Zwischenstücke aus Türkis. Die Forscher schließen daraus, dass die Kette um den Hals getragen wurde.

Eine Datierung von verbrannten Holzresten aus der Ausgrabungsschicht ergab ein Alter von 4100 Jahren. Damit ist die Kette rund 500 Jahre älter als bisherige Funde alten Goldschmucks. Die ältesten Goldschmuckstücke Europas sind rund 5000 Jahre alt.

Die Menschen, die in Amerika vor 4000 Jahren lebten, besaßen eine gewisse Kunstfertigkeit im Umgang mit Gold. Vermutlich hämmerten sie Goldnuggets aus nahe gelegenen Vorkommen zunächst platt und bogen sie dann zu einer rund einen Zentimeter langen Hülse. Auf der Oberfläche sind noch Spuren von Hammerschlägen zu sehen.

Eine der Hülsen fällt besonders auf: Als Mittelstück der Halskette ist sie doppelt so lang wie die anderen acht Hülsen. Sie hat ein kleines Loch, durch das mit Faden oder Schnur einer der Türkisminerale von außen befestigt werden konnte.

Vor 5400 bis 4000 Jahren befanden sich die Jäger- und Sammlergesellschaften Perus in einem Entwicklungsprozess. Sie wurden zunehmend sesshaft, berichten die Forscher. Damit änderte sich auch das soziale Gefüge, denn erst mit den Ernteüberschüssen einer Agrarwirtschaft konnten einige Menschen Reichtümer anhäufen. Die Goldkette demonstriere, dass der Träger einen besonderen Status hatte.

hda/ddp/dpa