Polynesien Ratten verraten Wege alter Seefahrer
Die meisten Forscher sind heute der Ansicht, dass die Polynesier von den Völkern der so genannten Lapita-Kultur abstammen, die vor etwa 3500 Jahren im westlichen Pazifik auftauchte. Nach und nach besiedelten sie Polynesien - ein riesiges Inselreich, das sich von Hawaii im Norden nach Neuseeland im Südwesten bis zur chilenischen Osterinsel im Südosten erstreckt, 320.000 Quadratkilometer groß ist und heute von rund 6,1 Millionen Menschen bewohnt wird.
Um auf ihren Booten nicht zu verhungern, nahmen die alten Seefahrer verschiedene Tiere mit, um sie unterwegs zu verspeisen. Als Leckerbissen mussten unter anderem Ratten der Art Rattus exulans herhalten, die auf diese Art überall dorthin gelangten, wo die Lapita an Land gingen.
Für heutige Wissenschaftler ein Glücksfall: Die Nager können nicht schwimmen und vermischten sich deshalb nicht mit Ratten auf anderen Inseln, sondern bildeten nahezu geschlossene Gruppen. Ein Team um Elizabeth Matisoo-Smith von der University of Auckland nutzte das aus, um die Wanderungen der Lapita zurückzuverfolgen.
Die Forscher verglichen die so genannte mitochondriale DNS von Ratten unterschiedlicher Herkunft. Dieser Teil des Erbguts wird praktisch ausschließlich über die Weibchen vererbt und verändert sich daher im Lauf der Zeit nur wenig. Die Wissenschaftler fanden drei verschiedene DNS-Sequenzen - ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Rattenpopulationen bereits vor langer Zeit voneinander isoliert wurden.
Damit sei die These widerlegt, dass die Ahnen der Polynesier auf direktem Weg von Südostasien aus, das Inselreich im östlichen Pazifik eroberten, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences (Online-Vorabveröffentlichung). Denn in diesem Fall dürfe es nur eine einzige Rattenpopulation geben. Da es jedoch gleich drei gebe, müsse der Weg der Lapita deutlich komplexer und langsamer gewesen sein und die Seefahrer mit einigen der pazifischen Völker in Kontakt gebracht haben.
Um weitere Informationen über den Weg der Lapita zu erhalten, wollen Matisoo-Smith und ihre Kollegen ihre Daten nun mit Befunden aus der Archäologie, der vergleichenden Sprachforschung und aus genetischen Studien am Menschen vergleichen.