Pyramiden-Bau: Gigant von Giseh - DER SPIEGEL
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Pyramiden-Bau Gigant von Giseh

Fast 4000 Jahre lang war sie das höchste Gebäude der Welt: Die Große Pyramide von Giseh ragt 146 Meter in den Himmel von Ägypten. Zehntausende Arbeiter schafften Millionen tonnenschwere Steinquader für ein Bauwerk heran, das perfekt ist – bis auf einen verborgenen Makel.
Von Ralf Berhorst
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nie zuvor und nirgendwo sonst haben Menschen je ein Monument errichtet wie die nun für den Pharao Cheops geplante Pyramide: Kein Bauwerk wird so hoch in den Himmel ragen wie dieses Grabmal nach seiner Fertigstellung, für keines werden so viele tonnenschwere Steine an einen Ort herangeschafft werden, keines wird über Jahrzehnte so immense Schätze eines Großreiches fressen, so viel menschliche Kraft, so viel Schweiß und vielleicht auch Tränen. Wohl kaum ein Monument ist je zuvor so präzise geplant, seine Errichtung so gnadenlos streng überwacht worden.

Kein Bauwerk ist so perfekt wie die Pyramide. Und doch verbirgt sich tief in ihrem Inneren ein unauslöschlicher Makel.

Seit dem Jahr 2604 v. Chr. schuften Tausende Arbeiter auf dem steinigen Plateau von Giseh, zerren mit bloßer Muskelkraft mächtige Steinquader in die Höhe, die so schwer sind, dass sie in einem einzigen unachtsamen Augenblick Arme, Beine, menschliche Leiber zerquetschen können.

Doch wie viele von ihnen wissen, dass die Pyramide nicht nur in die Höhe wächst - sondern auch in die Tiefe?

Denn während die Arbeiter täglich Material heranschaffen, auf dass ein künstlicher Berg über den Felsen von Giseh emporstrebe, graben sich ein paar Steinhauer mitten im Lärm und Durcheinander der Baustelle zugleich in ebenjenen Felsen hinein.

Einen Stollen haben sie angelegt, so eng, dass dort nur zwei Mann gebückt nebeneinander Platz finden. Mit Kupfermeißeln brechen sie den Fels auf - Werkzeugen, deren Metall so weich ist, dass es stündlich herausgereicht und im Freien auf Öfen neu gehärtet werden muss.

30 Meter tief haben diese Männer bereits einen abfallenden Gang in den Felsen gehämmert, haben dann einen waagerechten Stollen vorangetrieben. Nun ringen sie dem Felsen, Schlag für Schlag, die Grabkammer des Pharao ab.

Denn Cheops soll dereinst nicht etwa in seiner Pyramide liegen - sondern darunter. Eine Kammer für die Mumie des Herrschers versuchen die Arbeiter aus dem Felsen zu zwingen, fast 120 Quadratmeter groß. Doch die Grabkammer ist zu einer tödlichen Falle geworden: Kein Sonnenstrahl dringt bis dort hinunter; Fackeln und blakende Öllampen spenden flackerndes Licht - und verbrennen dabei kostbare Atemluft.

Zudem schwebt Steinstaub in der stehenden Luft und legt sich immer lastender auf die Lungen der Arbeiter. In ihrer Verzweiflung haben sie einen zweiten, kaum mannsbreiten Schacht vom Stollen bis zur Oberfläche gegraben, doch auch durch diesen Schacht bekommen sie nicht genügend Frischluft.

Irgendwann, niemand kennt mehr das genaue Datum, muss der letzte Arbeiter hustend, keuchend, mit brennenden Augen aufgegeben haben. Als er sich hinausschleppt, lässt er halb herausgehauenes Felsgestein und Staub zurück - und eine Grabkammer, die niemand je vollenden wird. Und während oben Quader um Quader aufgeschichtet wird, wissen wohl nur wenige, dass diese Arbeit eigentlich sinnlos geworden ist: dass hier ein Grabmal errichtet wird, das in dieser Form keinen Toten aufnehmen kann.

Zu den Eingeweihten, die um das Fiasko wissen, gehört Hemiunu, der Neffe des Pharao. Er ist der Leiter der königlichen Verwaltung, der oberste Schreiber und Richter - sowie der "Vorsteher aller königlichen Bauarbeiten".

In dieser Funktion leitet der massige Mann mit der Adlernase den Pyramidenbau (vielleicht, doch das ist nicht sicher, schon von Anfang an). Hat er seine erstickenden Arbeiter wieder und immer wieder in den Felsen getrieben, bis er die Sinnlosigkeit ihres Tuns endlich einsah? Oder ist er nicht sonderlich überrascht, weil er schon seit Monaten ahnt, dass ihnen im Felsen die Luft ausgeht? Weil er sich schon lange vor jenem Augenblick fürchtet, da es nicht mehr weitergeht? Wie auch immer: Hemiunu muss die Pläne am Monument des Pharao ändern.

Seit mindestens 3100 v. Chr. lassen sich Ägyptens Könige in unterirdischen Grabkammern im Wüstensand bestatten. Anfangs überwölbt oft ein Sandhügel die Gräber, eingefasst von einer Ziegelmauer. Der Sandhaufen ist ein Abbild des Urhügels: im ägyptischen Mythos jener Ort, an dem sich am Anfang aller Zeiten das Land aus der Wasserflut erhob und die Welt entstand. Ein Sandhügel ist deshalb ein Symbol der Auferstehung und des ewigen Lebens.

Später lassen manche Herrscher ihre unterirdischen Gräber mit einer Mastaba überbauen, einem kastenförmigen Gebäude aus Lehmziegeln. Auch hier bestimmt eine religiöse Idee die Form: Das Monument soll der Seele des Verstorbenen als Haus dienen. Schließlich durchdringen sich beide Mythen: Um 2700 v. Chr. gibt Pharao Djoser als erster Herrscher den Befehl, mehrere kastenförmige Gebäude übereinander zu türmen: zu einer in sechs Stufen ansteigenden und weithin sichtbaren Pyramide.

Das Bauwerk ragt 60 Meter in den Himmel empor - und in die Ewigkeit: Denn nach seinem Tod soll der König ins Jenseits aufsteigen. So wie der Sonnengott, nachdem er abends am Horizont versunken ist, jeden Morgen aufs Neue geboren wird und zum Firmament emporstrebt.

Snofru, der Vater des Cheops, ist der erste Herrscher, der eine gestufte Pyramide mit Steinen zu einer echten Pyramide mit glatten Außenflächen verkleiden lässt. Vielleicht, weil sie so als ein Abbild der Strahlen erscheint, die die Sonne zur Erde wirft. Vielleicht aber auch, weil sie den gewachsenen Machtanspruch der Pharaonen vollendet verkörpert.

Drei gewaltige Pyramiden entstehen in Snofrus Auftrag. Die erste, in Meidum, wird noch als Stufenbau geplant und erst später zur echten, geometrisch exakten Pyramide erweitert. Die zweite, in Dahschur, lässt der Pharao auf weichem Tonschiefer errichten. Sie senkt sich schon bald an einigen Stellen ab, sodass Risse im Kammersystem entstehen. Um das Gewicht der Pyramide nicht so stark ansteigen zu lassen, verringern die Architekten den Neigungswinkel - nun beschreibt der Bau auf fast halber Höhe einen Knick. Die dritte, ebenfalls in Dahschur, wird zwar wie geplant als echte Pyramide vollendet, doch sind ihre Seiten aus Vorsicht relativ flach geneigt.

Als Snofru um 2604 v. Chr. stirbt, haben ägyptische Architekten bereits seit fast 100 Jahren Erfahrungen in der Konstruktion dieser Grabbauten gesammelt, haben immer neue Techniken erprobt. Nun fordert Cheops von ihnen die perfekte Pyramide; nicht im Schatten der Grabstätten seines Vaters bei Dahschur, sondern 20 Kilometer weiter nördlich, nahe dem heutigen Giseh. Dort ragt ein mächtiges Kalksteinplateau aus dem Wüstensand - zugleich stabiler Baugrund und unerschöpflicher Steinbruch.

Hemiunu soll das Grabmal des neuen Gottkönigs errichten. Eine Pyramide, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat, gigantisch in den Dimensionen, vollkommen in der Form. Ein Zeichen für die Allmacht des Cheops als Herrscher der Beiden Länder, als König Ober- und Unterägyptens, als Garant für die Ordnung der Welt und das Wohl seiner Untertanen, im Leben und weit darüber hinaus.

Niemand kann heute sagen, ob es in den königlichen Archiven Papyri mit Entwürfen der bereits vollendeten Pyramiden gibt. Ohnehin ist das Bauwerk, dessen Errichtung Cheops befiehlt, einzigartig: Es wird an seinen Grundseiten jeweils rund 230 Meter messen, und die vier Seiten werden sich so neigen, dass sie in gut 146 Meter Höhe in einer Spitze zusammenlaufen - knapp 40 Meter höher, als Snofru gebaut hat. Und höher als jedes andere Bauwerk auf der Erde.

Wahrscheinlich lässt Hemiunu zuerst für jede Bauphase Pläne auf Papyrus zeichnen, vielleicht sogar Holzmodelle anfertigen - doch nichts davon hat die Zeiten überdauert. Seine Konstrukteure errechnen, dass sie Steinblöcke mit einem Gesamtvolumen von 2,4 Millionen Kubikmetern und einem Gewicht von etwa sechs Millionen Tonnen aufeinandertürmen müssen. Gewiss wird Hemiunu einen Zeitplan erstellen lassen, ist doch die Zeit sein großer Gegner: Jahrzehntelang wird er bauen müssen.

Irgendwann um 2604 v. Chr. betreten Hemiunus Vermesser in sternenklarer Nacht das Plateau von Giseh: Endlos weit und dunkel erstreckt sich die steinige Wüstenlandschaft an drei Seiten; nur im Osten liegt fruchtbares Land und, einige wenige Kilometer entfernt, das silbern glänzende Band des Nil.

Die Vermesser blicken zum Firmament empor, suchen einen jener Sterne, die niemals am Horizont versinken. Dann verfolgen sie über Stunden dessen Laufbahn und ermitteln dabei dessen westlichsten und östlichsten Punkt. Genau in der Mitte liegt Norden. Dorthin soll eine der vier Pyramidenseiten weisen.

Exakt in Nord-Süd-Richtung schlagen Arbeiter nun Löcher in den Fels, rammen Holzpfosten hinein und spannen dazwischen ein Seil. Diese Linie wird den Konstrukteuren bei allen weiteren Vermessungen zur Kontrolle dienen.

Vermesser prüfen immer wieder den Fortschritt der Arbeiten

In den Monaten darauf ebnen Steinhauer den Felsen, lassen dabei aber in der Mitte eine mächtige Gesteinsmasse stehen. Hemiunu will die Erhebung überbauen und so die Arbeitszeit für die Pyramide verkürzen. Der übrige Grund muss indes absolut plan sein. Vermesser prüfen immer wieder den Fortschritt der Arbeiten mit hölzernen Setzwaagen.

Das sind zwei Leisten, geformt wie ein auf den Kopf gedrehtes V, die durch ein Querholz miteinander verbunden sind. Von der Spitze des Winkels hängt ein Senklot herab. Nur wenn die Waage auf einer völlig ebenen Fläche steht, zeigt das Lot auf eine Markierung in der Mitte der Querleiste. Heben die Vermesser das Instrument auf lange Holzbretter, können sie damit auch größere Strecken kontrollieren.

Nach ein paar Monaten wohl sind alle Pläne gezeichnet, ist das Areal vermessen und eingeebnet. Nun erst wird der karge Felsen am Rand der Wüste zur Bühne imperialer Betriebsamkeit, zur bis dahin größten Baustelle in der Geschichte der Menschheit.

Mehrere Tausend Arbeiter strömen fortan Tag für Tag bei Sonnenaufgang aus den umliegenden Dörfern herbei, sie kommen zu Fuß oder über Kanäle in Booten. Im Süden, hinter einer großen Mauer, steigt Rauch von Bäckereien auf. Dort erstreckt sich eine Siedlung für vielleicht 5000 Steinmetze, Zimmerer, Schmiede und andere Handwerker, die ständig für den Pharao arbeiten. Etwas südlich davon liegt ein Hüttendorf für die größte Gruppe unter den Pyramidenbauern: die der einfachen Arbeiter. Tausende junge Männer aus allen Teilen Ober- und Unterägyptens sind zum Dienst an dem großen Werk verpflichtet worden. Sie sind keine Sklaven - es ist eine ehrenvolle Aufgabe, für Pharaos Unsterblichkeit zu bauen.

Unweit des Felsens entsteht zudem eine kleine Stadt für Priester und Beamte. Und wahrscheinlich lässt sich Cheops für seine häufigen Besuche an der Baustelle einen Palast errichten. Jeden Tag arbeiten wohl mehr als 20.000 Menschen auf dem Bauplatz, im nahen Steinbruch und in den Siedlungen. Unzählige Helfer schlachten für die Arbeiter Ziegen und junge Rinder, rösten Fleisch, pressen Brotteig in tönerne Backformen, brauen Bier, trocknen Nilfische, schöpfen Trinkwasser aus den Brunnen und Reservoiren und tragen es über die Baustelle.

Täglich laufen Lastkähne in die zwei Häfen östlich der Baustelle ein, Stichkanäle verbinden sie mit dem Nil. An den Kaimauern sind zahlreiche Lastkähne vertäut, Packer laden Getreide und Datteln von den Decks, aber auch Geflügel, Schafe und Rinder, bestimmt für den Unterhalt der Bauarbeiter.

Für die Fundamentlage wollen Hemiunus Architekten nicht den lokalen Kalkstein aus Giseh verwenden. Der Bauleiter hat daher längst veranlasst, dass Arbeiter sich in das 15 Kilometer entfernte Tura einschiffen, um aus den dort steil zum Niltal abfallenden Ausläufern des Mokkatam-Gebirges feinsten Kalkstein zu brechen.

Eine zweite Truppe reist noch vier Kilometer weiter flussaufwärts, um in Maasara Steine zu gewinnen. Schiffer transportieren die Blöcke auf großen Barken nach Giseh. Im Hafen wuchten Männer die Steine mit Hebevorrichtungen auf Holzschlitten, Schlepper ziehen sie auf einer Schleifbahn hoch zum Bauplatz.

Oben warten die Steinmetze schon auf die Fracht. Sie haben den Felsstumpf bereits in Terrassen abgetragen. Jetzt behauen sie die Kalksteine so exakt, dass sie ohne Mörtel zusammenpassen, und legen das Fundament, dessen Fläche nur wenig größer ist als die der geplanten Pyramide.

Auf diesen Untergrund ritzen die Vermesser anschließend den Umriss der ersten Steinlage: ein perfektes Quadrat, präzise ausgerichtet nach den vier Himmelsrichtungen, orientiert an der einst bei Nacht angelegten Kontrolllinie. Dazu stecken die Spezialisten mit langen Messlatten und Stricken die östliche Seitenkante ab und markieren sie auf dem Fundament. Immer wieder kontrollieren sie den Abstand zur parallel verlaufenden Orientierungslinie - denn die Wärme der Luft sowie unterschiedliche Spannungen können die Länge der Stricke verändern und zu fatalen Fehlern führen.

Dann legen sie zur Bestimmung eines Winkels von 90 Grad an der Nordostecke ein großes hölzernes Dreieck an, ziehen damit einen rechten Winkel und überprüfen ihn, indem sie das Instrument auch auf der Gegenseite anlegen. Sie messen die zweite Seitenkante, bestimmen in der nächsten Ecke einen weiteren rechten Winkel und ritzen die westliche Pyramidenseite auf das Fundament.

Sie arbeiten mit ungeheurer Präzision. Der größte Fehler, der ihnen bei der Winkelmessung (an der Nordostecke) unterläuft, macht 58 Bogensekunden aus - nicht einmal den sechzigsten Teil eines Grades. Auch die vier Seiten des Pyramidenquadrats am Boden weichen vom Idealwert von 230,36 Metern nicht mehr als 3,2 Zentimeter ab.

Hemiunu kann nun Befehl geben, entlang der Markierung die erste Steinlage der Pyramide zu verlegen. Die Steinmetze beginnen in einer Ecke mit einem mächtigen Quader, behauen seine Seiten, bis sie völlig glatt sind. Dann schieben Arbeiter den nächsten weißen Verkleidungsstein auf Holzrollen heran. Er hat unten an den Seitenflächen Vertiefungen, dort können die Arbeiter mit Hebelbalken ansetzen und ihn an den Eckstein schieben. Das letzte Stück gleitet der Block auf einem Mörtelgemisch aus Gips, Sand und Kalksteinsplittern, das Helfer zuvor auf das Fundament gegossen haben.

Die Verkleidungssteine aus den Brüchen von Tura und Maasara müssen dicht aneinanderstoßen, damit nicht später Flugsand oder Regenwasser ins Mauerwerk der Pyramide eindringen können. Daher bearbeiten Steinmetze die nebeneinander liegenden Quaderseiten so lange mit Kupfersägen und Meißeln, bis sie exakt zusammenpassen.

Schließlich ritzen sie noch seitliche Markierungen in die Steine; die geben die Neigung der Pyramide an. Fünfeinhalb Handbreit Rücksprung (rund 41 Zentimeter) auf eine Elle Steigung (rund 52 Zentimeter) ist das Maß - das ergibt einen Winkel von knapp 52 Grad. Die überstehenden Teile der Verkleidungsblöcke schlagen die Männer aber noch nicht ab - erst am Ende wird die Pyramide eine glatte Oberfläche erhalten.

Block an Block fügen die Arbeiter das Grundquadrat zusammen, setzen die Lücken zum Felskern mit Kalksteinen aus Giseh zu. Es vergehen wohl Wochen, bis die erste Steinlage der Pyramide komplett ist. Sie misst nicht mehr als anderthalb Meter in der Höhe - ein Hundertstel auf dem Weg nach oben ist geschafft.

Die Männer arbeiten von Sonnenaufgang bis zur Dämmerung, zu jeder Jahreszeit. Ständig angetrieben von Hemiunus Aufsehern und Vorarbeitern, die den Wettstreit zwischen den Mannschaften schüren. Abends kehren die Pyramidenbauer erschöpft in ihre Dörfer oder in die Siedlungen zurück. Erfrischen sich mit Bier aus Tonkrügen. Nach einigen Stunden Schlaf beginnt die Knochenarbeit von Neuem.

Gut 300 Meter südlich der Baustelle, im Steinbruch von Giseh, blitzen mehr als 1000 Meißelklingen in der Morgensonne, hallen metallische Schläge durch die Luft, wirbeln Wolken von Steinstaub auf. Hier lösen Spezialisten grobe Blöcke aus den bis zu zehn Meter hohen Kalksteinwänden, Material für den Kern der Pyramide. Steinmetze formen sie zu tonnenschweren Quadern. Aufseher registrieren jeden Stein, um später die Tagesleistung der Mannschaften kontrollieren zu können.

Dann lassen sie den Quader auf einen Holzschlitten wuchten und festschnüren. Etwa 20 Arbeiter stehen jedes Mal bereit, sich vor den Schlitten zu spannen. Sie schultern die Seile, die aus mehreren Strängen von Papyrus- oder Palmfasern gewunden und besonders reißfest sind.

Handlanger gießen aus Tonkrügen Wasser und Nilschlamm vor die Kufen, damit das Gefährt besser über die harte Schleifpiste gleitet. Die Männer ziehen an, setzen den Schlitten in Bewegung. Eine Strecke von etwa 20 Minuten liegt vor ihnen. Sie führt über eine an den Seiten befestigte Rampe aus Steinen, Schutt und Sand, denn die Baustelle liegt rund 15 Meter höher als der Steinbruch.

Dutzende weitere Zugmannschaften sehen die Männer vor sich, während ihnen auf der Gegenseite leere Schlitten entgegenkommen. Alle paar Minuten muss sich im Steinbruch ein Gespann in Marsch setzen, damit auf dem Pyramidenstumpf der Nachschub nicht abreißt. Es dauert einige Monate, bis die Männer dort die Oberkante der stehen gelassenen Felsspitze in etwa acht Meter Höhe erreicht haben. Auch die Rampe vom Steinbruch muss mit jeder neuen Steinlage weiter empor geführt werden.

Die Steinhauer hatten keine Luft und keine Kraft mehr

Nur mitten auf der Baustelle wird eine kleine Stelle nicht von Steinblöcken bedeckt: Hier führt der Korridor schräg in den Felsen hinunter, tief in die erstickende Düsternis...

Etwa zu der Zeit, da die Pyramide schon um acht Meter in die Höhe gewachsen ist, melden die Vorarbeiter der kleinen Gruppe in der unterirdischen Grabkammer Hemiunu, dass ihre Steinhauer keine Luft und keine Kraft mehr haben, um auch nur einen weiteren Schlag zu tun.

Welche Wahl bleibt dem Bauleiter? Soll er noch einen zweiten Luftschacht durch den Felsen und das bereits aufgetürmte Gestein schlagen lassen? Um dann nach weiteren Monaten der Plackerei festzustellen, dass auch der, wie bereits der erste Schacht, zu wenig reine Luft in die Tiefe führt? Was würde der Pharao dazu sagen?

Keine Einzelheit aus jenen Tagen hat die Zeiten überdauert, doch ist es undenkbar, dass er Cheops über das Problem nicht informiert. Und was auch immer er seinem Herrscher mitgeteilt hat: Hemiunu rettet seinen Kopf. Denn er bleibt in der Gunst des Pharao und leitet weiterhin den Bau.

Während die Arbeiter unbeirrt Quader auf Quader türmen, ändern Hemiunu und seine Baumeister den Plan: Nicht länger unter der Pyramide soll die Mumie dereinst ruhen - sondern mitten in ihr. Die Grabkammer, deren Errichtung im Felsen gescheitert ist, soll nun in das bereits teilweise fertig gestellte Monument hineingebaut werden.

Und so entwerfen sie zwei oberirdische Kammern, durch mehrere Korridore untereinander und mit dem Eingang verbunden. Der Einstieg soll an der Nordseite liegen, in rund 17 Meter Höhe. Von dort soll ein Gang durch das Mauerwerk erst schräg abwärts führen, bis zu dem bereits gegrabenen Korridor im Felsen, dann nach oben abknicken und wieder bis auf 22 Meter Pyramidenhöhe ansteigen.

An dieser Stelle soll sich die enge Passage weiten, zu einer schräg ansteigenden und fast neun Meter hohen Galerie. An deren Fuß wird ein waagerechter Gang zur ersten der beiden oberirdischen Kammern abzweigen.

In dieser Kammer werden vielleicht später jene Dinge deponiert, die der Pharao in seinem jenseitigen Leben benötigt. Erst in 43 Meter Höhe über dem Boden soll der Zugang zur eigentlichen Grabkammer des Cheops liegen, dem neuen Allerheiligsten des gesamten Bauwerks. Nicht mehr in der Erde, sondern im Himmel wird der Pharao nun sein jenseitiges Leben beginnen. Und vielleicht ist es gerade dieser Gedanke, der Cheops bezaubert, der die Pyramide rettet - und den Kopf ihres Baumeisters.

Bevor aber überhaupt mit der Konstruktion der ersten, gut 30 Quadratmeter großen Kammer begonnen werden kann, müssen die Arbeiter 25 Steinlagen vollenden. Als es schließlich so weit ist, führen sie die Kammerwände in poliertem Tura-Kalkstein aus und setzen von oben ein Giebeldach aus gewaltigen Steinbalken auf.

Die Grabkammer wollen die Baumeister noch aufwendiger ausstatten. Daher schickt Hemiunu Steinmetze auf eine weite Reise; Soldaten begleiten sie zum Schutz vor Beduinenüberfällen.

Wochenlang segelt die Kahn-Flotte den Nil aufwärts, um die Steine für Cheops' Ruhestätte zu beschaffen - bis in die 660 Kilometer entfernte Region des heutigen Assuan. Denn allein dort, auf der östlichen Flussseite, lässt sich der kostbare Rosengranit brechen. Der hell-rosarote Stein liegt in großen Blöcken am Ufer verstreut.

Es ist eine der härtesten Arbeiten des ganzen Pyramidenbaus: Nur mit beiden Händen können die Steinmetze die birnenförmigen, bis zu sieben Kilogramm schweren Hämmer aus dem harten Basaltgestein Dolerit in die Höhe heben. Schlag um Schlag lassen die Männer ihr steinernes Werkzeug direkt auf den Granit hinabsausen.

Anschließend zerlegen sie die grob behauenen Blöcke mit Kupfersägen; dabei streuen sie unter das Blatt ein Schleifgemisch aus Wasser, Gips und Quarzsand. Denn nur Quarz, das härteste jener Mineralien, aus denen Granit besteht, vermag den Stein überhaupt zu schneiden. Hunderte Granitblöcke bearbeiten die Männer auf diese Weise.

Einen Monolithen aber höhlen sie mit Röhrenbohrern aus - kupfernen Hohlzylindern, die auf eine hölzerne Triebstange gepfropft sind. Versetzt man die Stange in schnelle Umdrehungen und gibt dabei Quarzsand zu, lassen sich zylinderförmige Stücke aus dem Granit schneiden. Ein ganzes Jahr benötigen die Männer wahrscheinlich, um eine mehr als zwei Meter lange Wanne sowie einen Deckel aus dem hellrosaroten Block zu formen: den Sarkophag des Cheops.

Dies ist nicht die einzige Expedition, die im Auftrag des Pharao aufbricht, um dringend benötigte Materialien herbeizuschaffen. Ein Trupp reist 870 Kilometer nach Süden, um aus einem Steinbruch bei Abu Simbel den Schmuckstein Amethyst nach Giseh zu bringen. Andere Mannschaften besorgen Gips und Basalt aus dem Fajjum, Kupfer für die Meißel vom Sinai und für die Statuen das Hartgestein Diorit aus Nubien.

Zwei Regimenter mit 400 Soldaten marschieren mehr als 500 Kilometer in die westliche Wüste, um dort Buntsandsteine und Tonerde zu Pigmenten zu zerreiben und in Lederbeuteln nach Giseh zu tragen - wohl niemals zuvor hat sich eine ägyptische Expedition so weit in die lebensfeindliche Sandsee vorgewagt. Auf der Pyramidenbaustelle werden die Farbstoffe für Zeichen und Markierungen gebraucht.

Zudem lässt Hemiunu große Mengen Holz herbeischaffen - für Rollen, Hebelstangen, Hammerstiele, Transportschlitten und Gerüste. Das einheimische Holz von Tamariske, Akazie oder Palme ist für diese Zwecke ungeeignet; der Bauleiter bestellt daher Tannen-, Zedern- und Zypressenstämme aus der Levante.

Etwa 50 Steinlagen ragt der Pyramidenstumpf bereits empor. Mit ihm sind die beiden Rampen gewachsen, die aus Richtung des Hafens sowie vom Steinbruch zur Baustelle hinaufführen. Hemiunu und die Konstrukteure wissen, dass die Rampen niemals in direkter Linie bis zur Pyramidenspitze reichen können. Denn schon bald würde der Transportweg zu steil für die Zugmannschaften - ganz abgesehen davon, dass Hemiunu zur Errichtung derartiger Rampen weitaus mehr Material benötigen würde als für die Pyramide selbst.

Daher haben die Architekten von Beginn an beide Rampen auf die Südwestecke der Pyramide zugeführt; hier wachsen sie bis auf 30 Meter mit dem Bauwerk in die Höhe. Von dieser Ecke aus soll dann ein einziger Weg, angelehnt an die Westflanke, kontinuierlich auf 62 Meter führen: eine schräg aufsteigende Rampe, die die Pyramide als Unterlage nutzt.

Aus rund 800 Tonnen Rosengranit formen die Männer Boden und Wände der Grabkammer

Schon jetzt misst der Anstieg, den die Zugmannschaften die Rosengranitquader aus Assuan emporziehen müssen, mehrere Hundert Meter. Vorsichtig bewegen sie ihren Holzschlitten über die Rampe. Auch oben auf dem Stumpf ist es gefährlich, die bis zu 50 Tonnen schweren Quader zu bewegen. Helfer hieven sie mit Seilen und Hebegerüsten in Position.

Aus rund 800 Tonnen Rosengranit formen die Männer Boden und Wände der rund 55 Quadratmeter großen Grabkammer. Die Decke aus Monolithen überspannt sie in fast sechs Meter Höhe. Keine Malerei, keine Inschrift ziert die polierten Wände.

Der Sarkophag für die Mumie des Cheops steht bereits in der Kammer - er würde später nicht mehr durch die engen Gänge der Pyramide passen. Dann türmen die Arbeiter über dieser Kammer vier Lagen aus riesigen Granitbalken auf, jeweils getrennt durch einen schmalen Hohlraum, mit einem monumentalen Giebeldach aus Kalkstein als Abschluss. Die Konstruktion soll später den Druck des Pyramidenmassivs von der Decke der Grabkammer nehmen.

Keine Quelle verrät, wie viele Jahre es dauert, bis die Arbeiten an den Kammern und Gängen abgeschlossen sind. Erst 85 der 210 Steinlagen der Pyramide haben die Arbeiter jetzt verlegt - aber immerhin schon 82 Prozent der gesamten Steinmasse.

Viele wohl erleben diesen Augenblick nicht mehr. Die Arbeit ist zermürbend, strapaziert Glieder und Knochen. Immer wieder verletzen sich Arbeiter, stürzen auf den Rampen, brechen sich Arme oder Beine. In solchen Fällen umsorgen sie medizinkundige Männer, schienen Knochenbrüche mit Holz, operieren nicht nur bei Unfällen: Einem Arbeiter, so lässt dessen ausgegrabener Schädel vermuten, entfernen die Chirurgen ein Krebsgeschwür aus dem Kopf.

Jahr um Jahr schlagen die Untertanen des Cheops Blöcke aus den Wänden der Steinbrüche, pendeln auf Lastkähnen zwischen Tura und Giseh, stemmen sich in die Seile der Holzschlitten und ziehen nach und nach mehrere Hunderttausend Quader in schwindelnde Höhen. Und doch wächst das Grabmal im Durchschnitt nur um etwa einen halben Meter pro Monat empor.

Am ehesten ist der Fortschritt noch an der Rampe zu erkennen. Inzwischen windet sie sich in drei weiteren Kehren spiralförmig um die Pyramide nach oben. Bis auf 133 Meter.

Hier ziehen Helfer Mauern hoch und schütten Geröll auf für die letzte Windung. Immer enger wird der Platz dort oben und immer steiler der Schleifweg.

Vielleicht lässt Hemiunu daher die letzten Höhenmeter mit kleinen Stufenrampen und Hebevorrichtungen überbrücken: Holzgerüsten mit steinernen Umlenkrollen an der Spitze, über die an Seilen Blöcke und andere Baumaterialien hochgezogen werden können. Schließlich gelingt es den Schleppern, auch für die letzte der 210 Steinlagen genug Quader anzuliefern.

Noch aber ist die Pyramide oben stumpf. Die Spitze fehlt, vermutlich eine besonders sorgsam aus Tura-Kalkstein gearbeitete Miniatur der gesamten Pyramide - aber um das Hundertfache verkleinert: 2,3 Meter lang und 1,47 Meter hoch. Ihre Grundfläche misst etwas mehr als fünf Quadratmeter. Nur wenig mehr an Fläche steht den Arbeitern in 145 Meter Höhe zur Verfügung, um den 6,5 Tonnen schweren Block in Position zu manövrieren. Es braucht das gesamte Geschick der Erbauer, die Pyramide zu vollenden.

Und es gelingt. Indes: Fertig sind die Männer noch keineswegs. Hebekonstruktionen, Holzgerüste und Rampe müssen noch abgebaut werden. Und erst jetzt schlagen die Steinmetze die überstehenden Teile der Verkleidungssteine ab, glätten den feinen Tura-Kalkstein mit kleinen, acht Millimeter breiten Spezialmeißeln. Monatelang hüllt das Klingklang der Werkzeuge die Pyramide ein, prasseln Steinbrocken und -bröckchen von dem Monument herab.

Endlich sind alle Seiten der Pyramide freigelegt und geglättet, leuchtet das jahrzehntelang von der Rampenkonstruktion verdeckte Bauwerk blendend hell im Wüstenlicht. Hemiunu hat den Auftrag seines Königs erfüllt. Der Makel der Pyramide, die unvollendete Grabkammer, liegt nun verborgen unter Millionen Tonnen Stein.

Doch noch immer gehen die Arbeiten weiter: An ihrer Basis frieden Handwerker die Pyramide mit einer acht Meter hohen Umfassungsmauer ein. Nur an der Ostseite lassen sie eine kleine Schneise in der Mauer - für Cheops' Begräbniszug. Hier stößt ein Totentempel an die Umfassung, mit einem Kolonnadenhof und vermutlich einem Opferaltar in der Mitte. Von diesem Heiligtum führt ein 700 Meter langer, überdachter und mit Reliefs verzierter Weg hinab ins Tal, bis zu einem weiteren Tempel unweit des Hafens. Hier soll dereinst Pharaos Reise ins Jenseits beginnen.

Tatsächlich sind diese Gebäude nur ein Teil jener zahlreichen Bauten, die in den letzten Jahren in Giseh entstanden sind: Drei kleine Pyramiden östlich von Cheops' Grabmal sind für Gemahlinnen des Pharao sowie für seine Mutter bestimmt, eine weitere dient zu Kultzwecken. Wenige Meter östlich davon liegen die Mastabas der Prinzen und ihrer Gemahlinnen. Westlich der Pyramide erstreckt sich ein Friedhof, der hohen Beamten der Bau- und Hofverwaltung vorbehalten ist. Die Elite des Staates darf an der Unsterblichkeit des Pharao teilhaben.

Um 2575 v. Chr. kommt der Moment, dem rund zwei Jahrzehnte lang die Anstrengungen von Zehntausenden galten, dem wohl mehr als eine Milliarde Arbeitsstunden gewidmet wurden: Nach einer Regierungszeit von vielleicht 30 Jahren stirbt Pharao Cheops.

Niemand weiß heute, ob Balsamierer seinen Leichnam wie die Körper späterer Könige für die Ewigkeit präparieren. Doch ist es gut möglich, dass schon zu Cheops' Zeiten die Technik der Mumifizierung üblich ist. Dabei entnehmen Spezialisten alle inneren Organe bis auf das Herz. Stopfen in Bauch und Brust Säckchen mit Natron, trocknen den Körper auch mit aufgeschichtetem Salz aus - die Prozedur beansprucht mehrere Wochen. Ölen die Haut, bevor sie den Leichnam mit Leinentuch bandagieren und die Mumie in einen Holzsarg betten.

Wahrscheinlich tragen Priester den verstorbenen Cheops nach der Präparierung über den Aufweg vom Tal- zum Totentempel hinauf und durch die schmale Pforte in den Pyramidenhof. Geben ihm jetzt wohl auch an Gerätschaften mit auf den Weg, was im Jenseits unentbehrlich ist. Eine letzte Rampe führt zum Eingang der Pyramide in fast 17 Meter Höhe. Die Sargprozession zieht durch die engen Korridore und die Große Galerie bis in die Grabkammer aus Rosengranit.

Priester versenken den Holzsarg mit der Mumie des Cheops im Sarkophag und schließen den Deckel. Dann lösen sie, wohl unter Mithilfe von Arbeitern, im Vorraum drei tonnenschwere Granitblöcke, die an Seilen aufgehängt sind, aus ihren Halterungen. Wie Fallgitter stürzen die Quader herab und blockieren den Zugang zur Grabkammer. In der Großen Galerie halten bislang hölzerne Querbalken drei Granit- und etwa 20 Kalksteinblöcke im Mittelgang in Position. Vorsichtig lösen Arbeiter nun die Sperren und lassen die Steine in den Korridor rutschen.

Nun ist nur noch ein einziger Weg nach draußen offen: der schmale Schacht, der einst die Steinmetze in der verhängnisvollen Felskammer mit Luft versorgen sollte. Ihn haben die Konstrukteure bis zur Galerie nach oben hin verlängert. Die Arbeiter zwängen sich durch diesen engen Schacht nach unten und steigen von dort durch den ältesten, einst für die Felskammer angelegten Korridor wieder zum Eingang auf. Oben angekommen, lassen sie etwa 100 Quader in den Gang hinab gleiten. Mit Verkleidungssteinen blockieren sie schließlich den Eingangsbereich. Niemand soll den Zugang erahnen, niemand die Totenruhe des Pharao stören.

"Horizont des Cheops" nennen die Priester den Bau. Der Name verweist auf die Schwelle zum Jenseits, jene Region, in der sich Himmel und Erde berühren, der Sonnengott am Morgen aus der Unterwelt aufsteigt und am Abend in sie hinabtaucht.

Dorthin soll jetzt, so hat es den Anschein, Cheops' Seele reisen können, durch zwei kleine Schächte - obgleich sie von außen verschlossen sind, damit nicht Flugsand und Regen eindringen. Um die Pyramide liegen zerlegte Barken aus Zedernholz in Bootsgruben symbolisch bereit zur Himmelsfahrt. In einer von ihnen soll der Pharao künftig an der Seite des Sonnengottes Tag und Nacht durchqueren.

Fast 400 Jahre lang opfern die Priester der Pyramidenstadt des Cheops zu Ehren des toten Pharao, lobpreisen seinen Namen. Dann aber zerbricht die Einheit der Beiden Länder, Ober- und Unterägyptens, mehrere Gauvorsteher schwingen sich auf zu Fürsten, einige gar zu Königen.

Und bereits in dieser Zeit wohl plündern Grabräuber den "Horizont des Cheops". Beschaffen sich vielleicht die alten Baupläne, treiben einen Querstollen in das Bauwerk und umgehen so die drei Blockiersteine aus Granit im aufsteigenden Gang. Zertrümmern mit Meißelhieben die sich daran anschließenden Kalksteinblöcke - und dringen in die Grabkammer ein. Hebeln den Sarkophagdeckel auf, erbeuten Cheops' Mumie und alles, was sie an Schätzen begleitet haben mag. Spätere Generationen verschonen auch das Bauwerk selbst nicht und nutzen die Pyramide als Steinbruch.

Im 9. Jahrhundert n. Chr. lässt Kalif Abdullah al-Mamun in der Hoffnung auf unermessliche Reichtümer eine Bresche in das Mauerwerk schlagen. Zwar stößt er auf den alten, mittlerweile wieder verschlossenen Grabräubergang, doch findet er, so heißt es in den legendenhaften Berichten seiner Tat, nur eine Schüssel voller Goldstücke, deren Wert gerade einmal seine Ausgaben für die Unternehmung deckt.

Lange vorher sind Grabräuber auch in eine auffällig große Mastaba auf dem Beamten-Friedhof westlich der Pyramide eingedrungen. Sie entdeckten eine Statue aus Kalkstein, farbig bemalt, die Hieroglyphenzeichen im Sockel dick mit Pigmenten eingelegt: Die Figur zeigt Hemiunu in sitzender Haltung.

Der Pharao, so verrät eine Inschrift, ernannte seinen Neffen sogar zum "leiblichen Königssohn". Und nur wenige Beamte unter Cheops haben je ein so prächtiges Grab erhalten, keiner eine ausdrucksstärkere Statue. Beides wohl Zeichen des Dankes.

Für jenen Mann, der ihm die größte aller Pyramiden errichtete.