Raumstation "Mir": Muss sie nun runter oder nicht? - DER SPIEGEL
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Raumstation "Mir" Muss sie nun runter oder nicht?

Nach einem 50-Stunden-Flug hat die Sojus-Raumkapsel PM-30 mit zwei russischen Kosmonauten an Bord am Donnerstag plangemäß an der Weltraum-Station "Mir" angedockt. Die Kosmonauten sollen klären, ob die "Mir" nun schrottreif ist - oder für einen Einsatz als Abenteuerhotel taugt.
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Koroljow - Die Kosmonauten Sergej Saljotin und Alexander Kaleri sollten die "Mir" anschließend betreten, um Haarrisse in der Außenhaut der alternden Raumstation zu überprüfen, teilte die Bodenkontrolle in Koroljow bei Moskau mit. Aufgabe der beiden Raumfahrer wird es sein, über die künftige Betriebsfähigkeit der "Mir" zu entscheiden. Die Station hatte in der Vergangenheit vor allem durch technische Mängel für Aufsehen gesorgt. Es ist der erste bemannte Flug zur "Mir" seit fast einem Jahr.

Das Andockmanöver wurde in Koroljow auf Großbildschirmen live übertragen. Es war zu sehen, wie sich die Kapsel der "Mir" näherte und schließlich um 08.30 Uhr (MESZ) an der Raumstation anlegte. Die Kosmonauten waren am Dienstag bei wolkenlosem Himmel vom russischen Raumfahrtzentrum Baikonur in Kasachstan gestartet.

Die bemannte "Mir"-Mission war möglich geworden, nachdem der US-Millionär Walt Anderson und andere ausländische Investoren dem finanzschwachen russischen Raumfahrtprogramm eine Summe von 20 Millionen Dollar (umgerechnet rund 40,4 Millionen Mark) zur Verfügung gestellt hatten. Ursprünglich hatten die russischen Betreiber die schon als schrottreif bezeichnete Raumstation bereits auf Autopilot gestellt und in diesem Frühjahr kontrolliert zum Absturz bringen wollen.

Die von den Investoren gegründete MirCorp will die 14 Jahre alte Raumstation mit bis zu 200 Millionen Dollar modernisieren. Nach Angaben des Unternehmens könnte die "Mir" dann für so unterschiedliche Zwecke wie ein Weltraumlabor oder ein Abenteuerhotel im Weltall genutzt werden.

Saljotin und Kaleri sollen sich mindestens 45 Tage an Bord der "Mir" aufhalten. Sollten die Investoren weitere Gelder bereitstellen, kann der Aufenthalt von Kommandant Saljotin und Flugingenieur Kaleri im All bis August ausgedehnt werden. Juri Semjonow, Präsident des "Mir"-Herstellers RKK Energija, erklärte, eine zweite Besatzung zur Ablösung werde bereits trainiert.

Ob es aber einen weiteren bemannten Flug zur "Mir" geben werde, hänge von der MirCorp ab. Wenn es keine weiteren Zuschüsse gebe, sollten Saljotin und Kaleri die "Mir" nach Beendigung ihrer Arbeit versiegeln und wieder auf Autopilot stellen.

Die russischen Bemühungen, die Betriebsdauer der "Mir" zu verlängern, stoßen in den USA auf Kritik. Die US-Regierung befürchtet, dass Russland dadurch mit seinem Beitrag zur Internationalen Raumstation ISS weiter in Verzug geraten könnte. Russland hat diese Befürchtungen als unbegründet zurückgewiesen. Schon jetzt allerdings liegt Russland mit dem Bau eines Wohnmoduls für die ISS zwei Jahre hinter dem Plan zurück. An der Entwicklung der Internationalen Raumstation sind neben Russland und den USA auch Staaten der Europäischen Union und Japan beteiligt.