Reiner Selbstzweck: Affen lausen nicht umsonst - DER SPIEGEL
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Reiner Selbstzweck Affen lausen nicht umsonst

Wenn Menschen zum Friseur gehen, müssen sie oftmals tief in die Tasche greifen. Doch auch bei Pavianen ist für die Fellpflege in der Regel eine Gegenleistung fällig.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bislang gingen Primatenforscher davon aus, dass sich Paviane aus einem ganz besonderen Grund gegenseitig lausen: um längerfristig angelegte Bindungen zwischen den Tieren zu stärken. Dadurch hält die Gruppe, so die Theorie, besser zusammen.

Doch Peter Henzi von der südafrikanischen University of Natal und Louise Barrett von der Liverpool University sind überzeugt, hinter dem Verhalten der Paviane tiefer liegende Ursachen entdeckt zu haben. Wie das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" berichtet, gehen die Forscher davon aus, dass die Fellpflege eine Art Währung auf einem hart umkämpften Markt ist, dem Markt der Bedürfnisse.

Henzi und Barrett vermuten, dass die Fellpflege, bei der mitunter gefährliche Zecken entfernt werden, zu einem der Grundbedürfnisse der Paviane gehört. Ebenso halten junge Pavianweibchen gern die Babys anderer Affen, für die beiden Forscher ebenfalls ein Grundbedürfnis.

Feldstudien in Südafrika haben nun ein auffälliges Verhalten zu Tage befördert: So durften Paviane häufiger ein Junges in den Arm nehmen, wenn sie zuvor der Mutter das Fell gekrault hatten. Gleichzeitig bestimmte der "Vorrat" an Babys, wie hoch die "Kosten" für die Babypflege wurden. Gab es in einer Gruppe Paviane zwei oder drei Junge, musste die jeweilige Mutter deutlich kürzer gelaust werden als zuvor.

Doch offensichtlich bestimmen auch noch andere Faktoren das Verhalten der Paviane. So muss ein rangniedrigeres Weibchen um einiges länger kraulen, wenn es den Nachwuchs eines höheren Tieres in die Arme schließen will. Was die Sache noch kompliziert: Oftmals werden Gefälligkeiten auch gleich in derselben Währung zurückbezahlt - indem sich die Affen abwechselnd gegenseitig lausen.