Resistente Bakterien Möglicherweise bald bessere Bekämpfung
London/Berlin - Eine Gruppe um Rob Willems vom Forschungsinstitut für Infektionskrankheiten in Bilthoven (Niederlande) hat nach eigenen Angaben bei dem Keim Enterokokkus faecium genetische Besonderheiten ausgemacht, die zu neuen Behandlungsmöglichkeiten führen können. Das berichtet das britische Wissenschaftsblatt "The Lancet".
Vor allem in US-amerikanischen Krankenhäusern gibt es Enterokokkus-faecium-Stämme, die gegen das oft als letztes Mittel verwandte Antibiotikum Vancomycin resistent sind. In Deutschland waren die Enterokokken, zu denen der untersuchte Erreger gehört, zuletzt beim Skandal um den illegalen Einsatz von Antibiotika in der Tiermast ins öffentliche Interesse gerückt. Durch die ungewollte Aufnahme von Antibiotika über die Nahrung können sich die Resistenzen entwickeln.
Protein hilft beim Anheften an Körperzellen
"Die Untersuchungen zeigen, dass es einige Stämme gibt, die bevorzugt Infektionen auslösen", sagte Wolfgang Witte vom Robert-Koch-Institut (Berlin). Ursache sei vermutlich ein Protein, mit dem sich einige Vertreter von Enterokokkus faecium besser an menschlichen Zellen anheften können. Die nun vorliegenden Ergebnisse ließen einerseits eine bessere Diagnose der krank machenden Keime zu, schreiben die Forscher um Willems. Andererseits könne das Anheftungsprotein womöglich als Angriffsziel für Antikörper dienen, um die fraglichen Stämme auszurotten.
"Das Bakterium ist Teil der menschlichen Darmflora", sagte Witte. Erst wenn die Bakterien in andere Körperregionen gelangten, zum Beispiel bei Patienten nach Organtransplantationen, können die zu den Eitererregern zählenden Enterokokken schwerwiegende Infektionen verursachen. Sind die Erreger gegen Antibiotika resistent, lassen sie sich kaum noch wirksam behandeln.