Risiko Mensch: Mann beißt Mann - DER SPIEGEL
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Risiko Mensch Mann beißt Mann

Wer mit derben Worten und Schlägen nicht weiterkommt, beißt gern auch mal zu. Männer werden einer Studie zufolge zwölf Mal häufiger Opfer menschlicher Beiß-Attacken, und fast immer ist Alkohol im Spiel. Auch das beliebteste Ziel der Bisse haben die Forscher ausgemacht.
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Dublin - 28. Juni 1997, Mike Tyson und Evander Holyfield stehen sich im Boxring gegenüber, es läuft die dritte Runde. Plötzlich stürzt sich Tyson auf seinen Gegner - und beißt ihm ein Stück des rechten Ohrs ab. Es ist der wohl bekannteste Biss unter Männern - aber keine Ausnahme.

Es muss nicht solch ein Kampfbiss sein, so blutig zugehen und in der Öffentlichkeit passieren wie bei Tyson und Holyfield. Auch kleine Bissverletzungen können unschöne Folgen haben: Narben etwa, verschwundene Ohrläppchen oder gefährliche Infektionen. Doch egal, wie dramatisch der Biss ist: Meistens erwischt es Männer.

Von 92 Patienten mit insgesamt 96 Bisswunden, die Mediziner des St. James Hospital in Dublin zwischen 2003 und 2005 betreut hatten, waren 85 Männer. Somit seien Männer zwölf Mal häufiger Opfer von Beißwütigen als Frauen - auch wenn sich diese Hochrechnung aufgrund der kleinen Patientenzahl nur sehr eingeschränkt verallgemeinern lässt.

Die Beißangriffe gingen "mit männlicher Dominanz und spätabendlichen, durch Alkohol angeheizten Aggressionen" einher, schreiben Francis Henry und zwei Kollegen im Fachmagazin "Emergency Medicine Journal". In 86 Prozent der Fälle hatten die Opfer getrunken. 70 Prozent der Vorfälle ereigneten sich am Wochenende oder an einem Feiertag. Die meisten Gebissenen kamen nachts zwischen 23 Uhr und 4 Uhr in die Klinik.

Leckerbissen Ohr

Zum Anbeißen fanden die Angreifer vor allem das Gesicht: 27 Mal wurde in Stirn, Nase, Lippen, Kinn und Wange gebissen sowie 53 Mal ins Ohr. Die obere Ohrmuschel war am häufigsten betroffen, das Ohrläppchen fast nie, berichten die Forscher. Die restlichen 15 Bisse trafen Unterarme und Finger.

Obwohl in zwei von drei Fällen Haut und anderes Gewebe regelrecht abgebissen wurde und die Bissopfer an die Abteilung für plastische Chirurg des St. James Hospital überwiesen wurden, wollten den Forschern zufolge nur ein paar Gebissene den Schaden richten lassen: Vier Patienten mit angeknabbertem Ohr und zwei mit Nasendefekten hätten sich unter das Messer eines rekonstruktiven Chirurgen gelegt, sieben warteten noch auf eine Schönheitsoperation.

Die ästhetischen Komplikationen seien aber nur ein Problem, schreibt Henrys Team. "Die Menschenbiss-Verletzung ist eine tückische Wunde." Sie könne nämlich auch zu funktionellen Problemen führen, etwa Schwierigkeiten, den gebissenen Finger zu bewegen, oder auch zu Infektionen mit Bakterien oder Viren. Bei jedem fünften Patienten habe sich die Wunde entzündet, berichten die Forscher. Betroffen waren vor allem jene, die auch zwölf Stunden nach dem Biss noch nicht beim Arzt waren.

Von Menschen zugefügte Bisswunden müssten deswegen sofort behandelt werden, fordern die Mediziner. Doch wie hoch die Dunkelziffer der von Menschen gebissenen Personen ist, weiß niemand. "Wie häufig Bisswunden sind, ist weitestgehend unklar", schreiben die Autoren der Biss-Studie, "weil viele wegen einer kleinen Verletzung nicht zur Notfallaufnahme eines Krankenhauses fahren."

fba