Sand-Alternative Ein neuer Strand aus Glasperlen
Man sollte es nicht meinen, aber Sand ist knappes Gut. Zumindest an einigen Stränden der Welt. Das ist nicht gut, denn wo soll das Heer der Urlauber liegen, wenn der Untergrund fehlt? Findige Recycling-Manager haben jetzt Ersatz gefunden: Sie mahlen Glas zu winzigen Kügelchen, mischen diese mit Sand und schon ist der Strand wieder belegbar.
Das Problem der sandarmen Küsten: Der Sand bleibt nicht einfach am Strand liegen. Wellen und Wind nagen an den Küsten und tragen ihn ab, Körnchen für Körnchen. Um die erodierten Strände wieder zu füllen, ist viel Aufwand nötig: Der Sand muss von den Ozeanböden gebaggert und an die Küsten gepumpt werden. Zu aufwendig und zu teuer, sagen die Kommunen. So auch Broward County an der Küste des US-Bundesstaats Florida. Seit 1970 pumpte der Bezirk 13 Millionen Tonnen Sand an die Strände - genug um das Empire State Building mehr als zwölf Mal zu füllen. Allein im Jahr 2005 holten Bagger 2,6 Millionen Tonnen Sand vom Meeresgrund. Kostenpunkt: 45 Millionen Dollar.
Glasstrand statt Sandstrand
Deshalb suchen die Verantwortlichen nach Alternativen. Und stießen dabei auf die Idee mit dem Glas. Es sei ein ganz natürliches Material, sagen die Befürworter, immerhin sei Glas sowieso hauptsächlich aus Sand gemacht. "Wir nehmen das Material und bringen es in seinen ursprünglichen Zustand zurück", sagt Phil Bresee, Recycling-Manager von Broward County. Bresee und seine Kollegen sind nicht die ersten, die diese Idee hatten. Auch in Lake Hood in Neuseeland und auf Curacao gibt es schon Glassandstrände.
Noch ist unklar, ob sich das Projekt in Florida tatsächlich umsetzen lässt. Der Bezirk testete vergangenes Jahr die Hitze- und Feuchtigkeitsentwicklung des Glasstrandes auf einem kleinen trockenen Stück Strand. Außerdem untersuchten Wissenschaftler im Labor wie Tiere und Pflanzen mit Glassand zurechtkommen. Ihr Ergebnis: Sie wachsen und gedeihen dort genauso gut wie im natürlichen Sand. Als nächstes will Broward County den Glasstrand in der Brandungszone testen.
Umweltbedenken
Aber es gibt auch Skeptiker. So warnt Dennis Heinemann, Wissenschaftler bei der Naturschutzorganisation Ocean Conservancy: "Es gibt keine Möglichkeit alle Auswirkungen auf die Umwelt vorherzusagen", sagt er. "Es wird immer unvorhersehbare Auswirkungen geben." Ein Beispiel dafür liege direkt vor der Küste. Dort wurden in den siebziger Jahren 700.000 alte Reifen auf dem Meeresgrund befestigt, um ein künstliches Riff zu schaffen. Das Problem: Die Reifen lockerten sich mit der Zeit, kullerten über den Meeresboden und zerstörten die natürlichen Korallenriffe. Die Reifen wieder aus dem Meer zu fischen, kosten Staat und Broward County nun mehrere Millionen Dollar.
In Broward County ist man optimistisch. Auch die Angst vor Verletzungen schmettern die Verantwortlichen ab. "Wenn man von Glasstränden erzählt, denken die Leute immer an scharfe Glasscherben", sagt Charles Finkl, Geologe von der Florida Atlantic University. Das sei aber falsch. Der Glassand soll schön rund geschliffen werden, bevor er an die Küsten kommt und ist obendrein auch noch was fürs Auge: Wenn die Sonne auf die Glasperlen fällt, schimmern sie in der Sonne.
khü/AP