Satellitenbild der Woche Sibirien - ein Wintermärchen
Jetzt, im Februar, ist der Baikalsee - der von oben rechts bis in die Mitte der Aufnahme reicht - eine Eisfläche von mehr als 600 Kilometern Länge und bis zu 80 Kilometern Breite. Die Eisschicht auf dem Wasser ist meterdick, sogar Autos, Lastwagen und Schneemobile können über den See fahren. Das Bild, das der US-Satellit "Terra" mit seinem Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (Modis) aufgenommen hat, zeigt das volle Ausmaß des russischen Winters: Die gesamte Region um die Stadt Irkutsk - 70 Kilometer nördlich vom südwestlichen Ende des Baikalsees - ist von Nord nach Süd von Schnee bedeckt.
Irkutsk ist die Hauptstadt der russischen Oblast Irkutsk und liegt an dem einzigen Abfluss des mächtigen Sees, der Angara. Östlich der Stadt erstrecken sich Ausläufer des Baikalgebirges, und südwestlich erheben sich Ausläufer des Ostsajans.
Der Baikalsee in Sibirien ist ein dreifacher Rekordhalter: Er ist nicht nur die größte Frischwasserreserve, sondern auch der tiefste und älteste See der Welt. An seiner tiefsten Stelle geht es 1673 Meter abwärts. Mit 23.000 Quadratkilometern Fläche ist er 44-mal so groß, wie der Bodensee. Er besitzt 333 Zuflüsse und damit ein Wassereinzugsgebiet von der Größe Frankreichs. Der Wasserinhalt umfasst 20 Prozent der weltweiten Wasserreserven. Dabei ist das Wasser so klar, dass man eine Porzellankugel noch in 40 Meter Tiefe sieht. Im November bis Januar friert der See jedoch bei eisigen Temperaturen von durchschnittlich minus 20 Grad Celsius zu und bricht erst wieder im Mai auf.
Nicht umsonst nennen die Sibirjaken - die Bewohner Sibiriens -den Balkansee Heiliges Meer, denn er ist ein Naturwunder. Schon die Pflanzen- und Tierwelt um den See herum ist einzigartig. Von den 2600 Arten sind rund zwei Drittel endemisch, kommen nur dort vor.
Aus diesem Grund hat die Unesco den See 1996 in die Liste der Denkmäler des Weltkultur- und -naturerbes aufgenommen, aber auch, um die Industrie wie etwa die Zellulosewerke am Ufer an weiteren giftigen Einleitungen zu hindern. Denn zusammen mit der fortschreitenden Abholzung der Wälder und der Fischerei bedroht die industrielle Nutzung dieses Gebietes Flora und Fauna des Sees. Um der Zerstörung entgegenzuwirken, wurden vielerorts zusätzlich Naturschutzgebiete und Nationalparks eingerichtet. Außerdem ist der Baikalsee in seinem gesamten Umfang von einer Küstenschutzzone umgeben.
nis