Schlafphasen Aggressive Träume sind Frage der Zeit
Bereits aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass Schlafende während der Rem-Phase eine deutlich andere Hirnaktivität zeigen als in sonstigen Schlafabschnitten. In der Rem-Phase, benannt nach den schnellen Bewegungen der Augen ("rapid eye movements"), sind hauptsächlich Gehirnbereiche aktiv, die für die Verarbeitung von Gefühlen zuständig sind. In den anderen Schlafphasen sind dagegen eher Areale aktiv, die komplexere Denkprozesse steuern.
In Experimenten zeigte sich jetzt, dass Begegnungen mit anderen Menschen im Traum während der Rem-Phasen deutlich aggressiver verlaufen als sonst, schreiben Patrick McNamara von der Boston University und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Psychological Science" (Ausg. vom Februar 2005). Die Forscher zeichneten zwei Wochen lang die Schlafphasen von 15 Freiwilligen auf. Nacht für Nacht wurden die Probanden mehrmals geweckt und sollten so spontan wie möglich ihre Gedanken, Gefühle und noch vorhandene Erinnerungen an ihre Träume aufschreiben.
In allen Träumen hatten sich die Probanden sehr ausgiebig mit sozialen Beziehungen beschäftigt, stellten die Wissenschaftler fest. Die Art der Begegnungen war jedoch von der Schlafphase abhängig: Im Rem-Schlaf gab es doppelt so viele aggressive Kontakte wie im Nicht-Rem-Schlaf. Auch spielten die Freiwilligen im Rem-Schlaf sehr viel häufiger die aktive Rolle in den aggressiven Situationen.
Offenbar werden in Träumen Informationen über soziale Kontakte verarbeitet und Beziehungen im Geist durchgespielt, schließen die Forscher aus diesen Ergebnissen. Dabei scheint sich die Rem-Phase auf die Simulation von aggressiven Begegnungen spezialisiert zu haben, während die Nicht-Rem-Phase die freundlicheren Kontakte übernimmt. Ob und wie diese Simulationen auch das Verhalten im wachen Zustand beeinflussen, wollen die Wissenschaftler als nächstes untersuchen.