Schweinegrippe: Erste Infektionen in China - DER SPIEGEL
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Schweinegrippe Erste Infektionen in China

Erst Hongkong, nun auch das Festland: In China gibt es zwei bestätigte Infektionen mit dem H1N1-Virus. In den USA breitet sich die Schweinegrippe weiter aus: 44 der 50 Bundesstaaten sind betroffen, die Zahl der Infizierten ist größer als in Mexiko.
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Peking - Isolierung, Quarantäne: Die chinesischen Behörden gehen resolut gegen die Schweinegrippe vor, nachdem es den ersten bestätigten Fall auf dem Festland gibt. Es handle sich um einen 30-Jährigen, der von einer Reise aus den USA zurückgekehrt sei, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag. Er werde in Chengdu behandelt.

Krankenhaus in Chengdu: Ein Polizist bewacht das Hospital, in dem der erste H1N1-Infizierte des chinesischen Festlands behandelt wird

Krankenhaus in Chengdu: Ein Polizist bewacht das Hospital, in dem der erste H1N1-Infizierte des chinesischen Festlands behandelt wird

Foto: REUTERS

Andere Menschen, die Kontakt zu dem Mann gehabt hätten, befänden sich in Quarantäne. Rund 150 Passagiere, die im gleichen Flugzeug gesessen hätten, seien isoliert worden. Etwa 150 weitere Passagiere der Maschine seien noch nicht ausfindig gemacht worden. Auch die Freundin, der Vater und der Taxifahrer des Erkrankten seien in Quarantäne. Bei keiner der Kontaktpersonen seien bislang Grippesymptome aufgetreten. Am Samstag war der erste bestätigte Fall der H1N1-Grippe in Hongkong aufgetaucht, das zu China gehört.

In den USA breitet sich die Krankheit weiter aus. Sie hat inzwischen 44 der 50 Einzelstaaten erfasst. Die Zahl der bestätigten Erkrankungen stieg auf 2.532, wie das US-Seuchenkontrollzentrum am Sonntag mitteilte. Das sind rund 900 Fälle mehr als in Mexiko, wo die Seuche zuerst aufgetreten ist und mit 48 die meisten Todesopfer gefordert hat. Nur etwa zehn Prozent der in den USA Erkrankten haben sich zuvor in Mexiko aufgehalten.

Die Gesundheitsministerin des US-Bundesstaates Washington, Mary Selecky, sagte, die Annahme, dass die Bedrohung durch die Schweinegrippe zurückgehe, habe sich nun als falsch erwiesen. Sie forderte die Menschen auf, angemessene Vorsicht walten zu lassen. In den USA sind bisher drei Menschen an der Schweinegrippe gestorben. Ein Todesfall wurde am Wochenende aus Costa Rica gemeldet.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO sprach am Sonntag von rund 4500 bestätigten Infektionen in 29 Staaten, die in 53 Fällen tödlich endeten. Die Gefahr einer Pandemie ist nach WHO-Angaben nicht gebannt - bis zu zwei Milliarden Menschen könnten sich dann nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation mit dem Erreger der Schweinegrippe infizieren. Ob es dazu kommen wird, hänge von der weiteren Entwicklung ab.

In Mexiko forderte die Schweinegrippe laut WHO bislang 48 Todesopfer. Die Neuinfektionen sind rückläufig. Die meisten Universitäten und Kinos haben wieder geöffnet, Grundschulen sollten am Montag folgen.

Der Schweizer Soziologe und ehemalige Uno-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, kritisierte den Umgang mit der Schweinegrippe scharf. Vor allem die Kampagne der WHO schüre Angst und stehe in keinem Verhältnis zu den wirklichen Problemen. "Von 6,2 Milliarden Menschen sind vermutlich seit einigen Wochen etwa 45 an der Grippe gestorben. Aber 100.000 Menschen sterben jeden Tag an Hunger und seinen unmittelbaren Folgen", sagte Ziegler. Alle fünf Sekunden verhungere ein Kind unter zehn Jahren. "Das nehmen wir hin mit eisiger Normalität."

Das Schweinegrippe-Virus

hda/AP/Reuters/dpa