"Sensation" Steinzeitknochen in Höhle entdeckt
Die Fundstücke stammten von vier Erwachsenen und einem Kind, sagte Stefan Voigt vom Arbeitskreis Kluterthöhle. Der Knochenfund stelle "eine Sensation" dar, weil bislang archäologische Funde aus der Mittelsteinzeit in Deutschland sehr selten seien. Die Höhlenforscher waren kurz vor Ostern auf die Knochen gestoßen, als sie die Höhle nach Grundwasserströmen erforscht hatten.
Da zunächst nicht klar war, ob es sich bei den menschlichen Überresten um Relikte eines Verbrechens handelt, wurde die Gerichtsmedizin Düsseldorf eingeschaltet. Bei einer Untersuchung nach der C-14-Radiokarbonmethode datierten Experten der Universität Kiel Teile der Knochen auf etwa 8700 vor Christus.
"Sollten sie wirklich so alt sein, dann würden sie aus der sehr frühen Mittelsteinzeit, dem so genannten Mesolithikum, stammen", sagte Yasmin Freigang vom Westfälischen Museum für Archäologie in Münster. Die Mittelsteinzeit habe in Westfalen bis 5500 vor Christus gedauert.
Westfalen: Höhlenforscher finden Steinzeitknochen
Allerdings müssten weitere Untersuchungen klären, ob die Knochen tatsächlich aus jener Zeit stammen. Die C-14-Untersuchung, die auch in Kiel angewandt wurde und auf der Halbwertzeit eines Kohlenstoff-Isotops beruht, liefere mitunter keine zuverlässigen Ergebnisse, sagte Freigang. Ein Sprecher der Uni Kiel bezeichnete das Ergebnis allerdings als "relativ sicheren Wert".
"Die Funde sind beachtlich, weil bisher kaum menschliche Knochen aus der Mittelsteinzeit gefunden wurden", sagte Voigt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. In Nordrhein-Westfalen etwa gebe es bislang nur ein Stück eines menschlichen Schädels aus dieser Periode. "Als sich das Klima damals nach der Eiszeit wieder erwärmte, zogen die Rentierherden nach Norden", sagt der Forscher. "Zugleich nahm die Bewaldung hier zu Lande zu, was die Jagd und damit die Lebensverhältnisse für die Menschen erschwerte."
Voigt glaubt, dass bei Untersuchungen in der Höhle noch weitere Knochen entdeckt werden könnten. Bislang seien wahrscheinlich erst 20 Prozent der dort liegenden menschlichen Überreste geborgen. "Bei der Höhle handelt es sich wohl um eine Begräbnis- oder Opferstätte", so Voigt. "Wir haben neben den Menschenknochen die Schädel eines Wolfs, eines Bären und eines Keilers gefunden." Genaueres könne aber erst eine Untersuchung durch Archäologen ergeben.
Markus Becker