Silicon Valley, Air Pod, Computerspielsucht - DER SPIEGEL
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Digitale Zeitenwende Liebe Leserin, lieber Leser,

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

die digitale Erlebniswelt ist mir nicht vollkommen fremd. Ich nutze die Klaviatur des Internets nach Kräften. Ebenso verstehe ich, welchen Gesetzen eine Motorelektronik gehorcht (und welche sie bricht). Als Hilfsmittel zur besseren Abwicklung von Korrespondenzen oder Handelsgeschäften sind Algorithmen so hilfreich wie ein Drehmomentschlüssel im Werkzeugschrank des Maschinenschlossers.

Und eben als Werkzeuge sollten sie begriffen werden, nicht als Selbstzweck. Es freut mich aufrichtig, dass junge YouTuber ihre Kommunikationskanäle nutzen, um sich zum politischen Geschehen zu äußern. Über den Tiefgang der Ausführungen mag an anderer Stelle diskutiert werden. Grundsätzlich ist das alles in Ordnung.

Missverständnisse und Schäden entstehen, wenn die digitale Welt zu einer Art Gottheit erklärt und damit die Illusion genährt wird, sie könne alle Probleme lösen. Die Tech-Industrie Kaliforniens gefällt sich gerade in diesem Götzenstatus und ist munter dabei, sich gründlich zu entzaubern.

Die Segnungen von Google und Co. beschränken sich im Wesentlichen aufs Beseitigen läppischer Lästigkeiten des Alltags und richten dabei nicht selten gewaltige Kollateralschäden an.

Dass der Fachhandel untergeht und Massen von Lieferwagen die Straßen verstopfen, weil der von Apps und Amazon gefangene Konsument fast alles im Internet bestellt, dass seriöse Medien sterben, während auf der globalen Gratisplattform der sozialen Schwätzwerke bald jeder sein eigener Journalist ist, sind oft beklagte Befunde der digitalen Zeitenwende.

Besonders ernüchternd wird es, wenn die Herren der Algorithmen sich anschicken, echte, handfeste Missstände anzugehen. Die Vision vom vernetzten Robotaxi, mit dem das tägliche Verkehrschaos der Metropolen unfallfrei entknotet werden soll, ist ausgemachter Blödsinn und verstellt den Blick auf den dringend nötigen Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel. Von einem fahrerlosen Auto, das wirklich sicher fährt, sind Google und Uber ebenso weit entfernt wie Facebook von einem missbrauchssicheren Kommunikationssystem.

Es geht nicht darum, alles Neue abzulehnen. Ich empfehle Ihnen, die Urteilskraft zu bewahren und nicht bei jedem Geschwätz mitzumachen.

Herzlich

Christian Wüst
Feedback & Anregungen? 

Abstract

Meine Leseempfehlungen dieser Woche

  • Mensch oder Social Bot? Zwei Experten halten die Zahl der Meinungsroboter auf Twitter für deutlich geringer als vermutet .
  • Was passiert eigentlich mit Apples AirPod-Kopfhörern, wenn man sie recyclen möchte? Dieser Autor geht auf Spurensuche .
  • Minus 50 Grad, Starkwinde, Lawinengefahr: Der Extrembergsteiger Jost Kobusch  will mitten im Winter allein auf den Mount Everest. Verrückt?
  • Ich habe schon einige ähnliche Ideen gesehen, diese aber könnte sich durchsetzen: Forscher haben einen günstigen Sensor für Fleischverpackungen entwickelt, um die Lebensmittelverschwendung einzudämmen.
  • Bis heute ist die Diagnose Computerspielsucht umstritten, vor Kurzem hat die WHO sie jedoch offiziell anerkannt. Mit diesem Test können Sie selber herausfinden , ob Sie gefährdet sind.
  • Eine heikle Rettungsmission: wie Ingenieure von Nasa und DLR den sogenannten Mars-Maulwurf wieder auf die richtige Spur bringen  wollen.

Quiz

"42: Answer to the Ultimate Question of Life, the Universe, and Everything" (Douglas Adams)

  • Wie tief kam ein menschlicher Taucher ohne Atemgerät?
  • Wie viele Muskeln hat der Rüssel eines Elefanten?
  • Wie schnell fuhr das schnellste Auto?

* Die Antworten finden Sie ganz unten im Newsletter

Bild der Woche

Foto: THOMAS COEX/ AFP

Die größte Energiequelle, die auf Erden nutzbar ist, lässt den Aschalim Solar Power Tower wie einen Leuchtturm erscheinen: Auf 300 Hektar Fläche fängt die in der israelischen Negev-Wüste gelegene Anlage Sonnenstrahlen mit Spiegeln ein, bündelt sie an der Turmspitze und produziert aus der Hitze Strom. Mit einer Leistung von rund 120 Megawatt ist der Aschalim-Turm eines der größten solarthermischen Kraftwerke der Welt.

Fußnote

74.000 Partikel Mikroplastik gelangen mindestens pro Jahr in den Körper jedes Amerikaners durch die Aufnahme von Nahrung und Getränken sowie die Atemluft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Veröffentlichung kanadischer Wissenschaftler. Grundlage ist eine Auswertung von 26 Einzelstudien, für die Speisefische, Zucker, Salz, Luft sowie Wasser aus Flaschen und Leitungen untersucht wurden. Die Verunreinigung der Umwelt durch Kunststoffteilchen ist der massenhaften Produktion und Verschwendung von Plastik für Verpackungen und andere Zwecke geschuldet. Ob die Partikel der Gesundheit schaden, ist noch unbekannt.

Die SPIEGEL+-Empfehlungen aus der Wissenschaft

  • Medizin : Warum Allergien immer häufiger erst im Alter auftreten
  • Globalisierung : So kann Afrika aus der Überbevölkerungsfalle entkommen
  • Geschichte : Das Erbe des legendären Privatsammlers und Spiritisten Gabriel von Max

* Quiz-Antworten: Herbert Nitsch tauchte am 14. Juli 2007 in Spetses (Griechenland) 214 Meter tief / Der Rüssel eines Elefanten hat 16 Muskeln, bestehend aus rund 150.000 Muskelfaserbündeln / Am 15. Oktober 1997 erreichte Andy Green mit dem Thrust SSC in Nevada (USA) 1227,985 Kilometer pro Stunde