Sonnenschutz Wasserflöhe tauchen ab
Das Phänomen ist altbekannt: In tieferen Wasserschichten ist die Strahlungsintensität der Sonne wesentlich geringer - bis letztlich überhaupt kein Sonnenlicht mehr die Tiefen des Meeres erreicht.
So weit müssen Wasserflöhe aber gar nicht gehen. Wie Ralph Tollrian und Kollegen von der Universität München im britischen Fachjournal "Nature" berichten, reichen den Tierchen, abhängig von ihrer "Hautfarbe", bereits geringe Tiefen, um effektiv gegen Sonnenbrand geschützt zu sein.
UV-Strahlen schädigen das Erbgut und können sich somit auf das Fortbestehen einer Art negativ auswirken. Viele Lebewesen schützen sich durch in den Körper eingelagerte Pigmente wie Melanin vor den aggressiven Strahlen.
Um das nachzuweisen, verglichen die Wissenschaftler verschiedene Wasserfloharten der Gattung Daphnia, die unterschiedlich stark pigmentiert waren. Die Untersuchung ergab, dass die nicht pigmentierten Arten bei ihren täglichen Wanderungen sehr viel tiefer abtauchten als ihre gefärbten Verwandten.
Farbige Wasserflöhe werden allerdings leichter von Räubern erspäht. Daraus schließen die Forscher, dass Pigmentierung und Wanderung zwei alternative Überlebensstrategien darstellen, die sich durchsetzen je nachdem, ob Fressfeinde vorhanden sind oder nicht. "Wir erwarten, in Seen ohne Fische auf Pigmentierung zu stoßen, in fischreichen Gewässern sollte dagegen die Wanderung vorherrschen", sagt Tollrian.
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Denn tiefe Wasser bewahren nicht nur vor allzu viel Sonne, sie bieten den kleinen Tieren auch Schutz vor ihren Feinden. In dunkleren Regionen sinkt die Wahrscheinlichkeit, von Fischen gefressen zu werden, die bei der Nahrungssuche auf ausreichend Sonnenlicht angewiesen sind.
Eine Gefahr sieht Tollrian in der Zunahme der UV-Strahlung durch die Umweltverschmutzung. Vor allem in flachen Gewässern, in denen die Tiere nicht noch tiefer abtauchen könnten, seien "Schädigungen der Organismen nicht auszuschließen". Eine ernsthafte Bedrohung für die Tierwelt sieht Tollrian zwar nicht, der Effekt könne sich allerdings "negativ auf die Nahrungskette auswirken."