Sprachanalyse Steinmeier redet verständlicher als Merkel
Wahlkämpfer Merkel, Steinmeier: Oft Kauderwelsch statt klarer Sprache
Foto: HO/ REUTERSBerlin - SPD-Spitzenkandidat drückt sich etwas verständlicher aus als Bundeskanzlerin (CDU), wenn es um politische Positionen und Ziele geht. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Hohenheim. Die Kommunikationswissenschaftler haben in Zusammenarbeit mit dem Communication Lab Ulm 52 Fernseh-, Radio- und Zeitungsinterviews ausgewertet.
Allgemein gilt demnach, dass beide nur dann wirklich verständlich formulieren, "wenn sie den jeweiligen politischen Gegner kritisieren". Eigene Sachvorschläge ließen hingegen oft an sprachlicher Klarheit zu wünschen übrig. Vielmehr seien die Äußerungen von langem, verschachteltem Satzbau gekennzeichnet.
Sätze mit mehr als 50 Wörtern
Mitunter gebe es Sätze mit 50 Wörtern und mehr. Häufig würden Fremdwörter wie "kalte Progression" gebraucht, ohne dass diese den Zuhörern oder Lesern erläutert würden, monieren die Forscher. Sie untersuchten die Politikeraussagen mit Hilfe einer Software, die "relevante Textfaktoren wie die Satzlänge, die Wortlänge, Schachtelsätze oder den Anteil abstrakter Wörter" berücksichtigte.
Am Ende hatte Steinmeier in puncto Verständlichkeit die Nase vorn: "Auf dem 'Hohenheimer Verständlichkeitsindex' von 0 (sehr unverständlich) bis 20 (sehr verständlich) erreichte er einen Wert von 16,4 Punkten", hieß es in der Mitteilung. Angela Merkel kam nur auf 13,9 Punkte.
Der Kommunikationsforscher Frank Brettschneider kritisierte die Sprache der Kandidaten: "Damit die Wählerinnen und Wähler eine begründete Wahlentscheidung treffen können, sollten insbesondere die Kanzlerkandidaten ihre politischen Positionen klar und deutlich darstellen." Wer überzeugen wolle, müsse verstanden werden. "Statt klarer Formulierungen finden sich aber oft Aussagen, die von Bürokratismen und Politikerjargon durchzogen sind."
Kritisieren können beide gut
Wenn Merkel und Steinmeier die jeweiligen politischen Gegner kritisieren, überwiege allerdings eine klare, verständliche Sprache. Die Kritik werde auf den Punkt gebracht; auf Fachwörter werde verzichtet. "Eine solche Klarheit wünscht man sich auch für die Sachaussagen", meinte Brettschneider.
Im Einzelnen blieben beide übrigens bei der Europapolitik am wenigsten verständlich. Bei Merkel kritisierten die Forscher auch die Aussagen zur Bildungs- und Umweltpolitik, bei Steinmeier seine Positionen zu Energiefragen, Verteidigungspolitik sowie zu Forschung und Bildung. Gelobt wurden Merkels Formulierungen zur Justiz-, Renten- und Arbeitsmarktpolitik. Steinmeier drückte sich am klarsten in Sachen Migranten- und Minderheitenpolitik sowie bei Familien- und Rentenfragen aus.