Sprachforschung: Universale Satzbau-Formel entdeckt? - DER SPIEGEL
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Sprachforschung Universale Satzbau-Formel entdeckt?

Ob Englisch oder Mohawk: Allen Sprachen der Welt liegt ein einziger Bauplan zu Grunde, glaubt ein US-Forscher. Seine Universalgrammatik soll die automatische Übersetzung voranbringen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Den Traum gibt es schon lange, nur realisiert hat ihn noch niemand: Wenn alle menschlichen Sprachen in ein einziges Bauschema passten, dann wäre damit das Problem des Übersetzens endgültig gelöst. Bereits vor Jahrzehnten postulierte der US-Sprachforscher Noam Chomsky die Existenz hierarchischer Satzbau-Formeln, die im Hirn aller Menschen sozusagen fest verdrahtet seien.

Die Mehrzahl seiner Kollegen bezweifelt das allerdings ­ sie halten die Sprachen weltweit für viel zu verschieden. Nun aber glaubt der Chomsky-Schüler Mark C. Baker den Durchbruch geschafft zu haben. In seinem Buch "The Atoms of Language" präsentiert Baker, Linguist an der Rutgers University in New Jersey, ein Grammatik-System aus bislang 14 Grundparametern. Selbst voneinander so entfernte Idiome wie Englisch und die Sprache der Mohawk-Indianer glaubt Baker in ein und demselben Struktur-Stammbaum eingefangen zu haben.

Ob er Recht hat, muss die Praxis zeigen: Schon 1970 stellte der Logiker Richard Montague eine elegante, knappe Universalgrammatik vor ­ doch fürs automatische Übersetzen erwies sich sein allzu abstraktes Formelwerk als untauglich.