Stationspotting: Auf den Spuren der ISS - DER SPIEGEL
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Stationspotting Auf den Spuren der ISS

Regelmäßig überquert die Internationale Raumstation Deutschland, oftmals hinterlässt sie dabei auch ihre Spuren am Nachthimmel. Tipps, um die ISS nicht aus den Augen zu verlieren.
Von Alexander Stirn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn es darum geht, eigene Erfolge zu feiern, ist die US-Weltraumbehörde Nasa nie um markige Worte verlegen. Und so verkündet sie im Zusammenhang mit dem fortschreitenden Ausbau der Internationalen Raumstation ISS auch gerne: "A new star is born" - ein neuer Stern funkelt am Firmament.

Die Experten der Nasa gehen davon aus, dass nach der erfolgreichen Montage zweier Solarpanele nur noch der Mond, die Planeten Venus und Jupiter sowie der durch sein deutliches Flackern bekannte Stern Sirius heller am Nachthimmel erscheinen als die Raumstation. Ideale Voraussetzungen, um das Prestigeprojekt ohne Hilfsmittel zu beobachten.

Andere Astronomen sind da skeptischer. Die gewaltigen Sonnensegel, so die Argumentation der Zweifler, seien primär auf die Sonne ausgerichtet - schließlich sollen sie möglichst viel Energie erzeugen. Folglich werde auch das meiste Licht wieder zurück in Richtung Sonne und nicht in Richtung Erde reflektiert. Mehr noch: Die Solarzellen könnten sogar große Schatten auf die Station werfen und deren scheinbare Helligkeit verringern.

Sicher ist jedenfalls: Wenn erst einmal weitere Module an die Station angeschraubt werden, wird deren Auftritt am Nachthimmel noch deutlich beeindruckender, als er jetzt schon ist. Im Jahr 2006 schließlich soll die ISS mit vier Paar Sonnensegeln und etlichen Modulen über die Köpfe der Nachteulen rasen. Die Nasa geht davon aus, dass die Raumstation dann so hell leuchtet, wie die Venus zu ihren besten Zeiten - und das wäre rund sechsmal heller als Sirius, der Spitzenreiter unter den Sternen.

Doch so lange braucht niemand zu warten: Schon vor der Ankunft der riesigen Flügel war die Raumstation - wie so viele Satelliten auch - ein regelmäßiger Gast am Nachthimmel. Dabei muss die derzeit in 380 Kilometern Höhe kreisende Raumstation von der Sonne angestrahlt werden, während die Republik bereits oder noch im Dunkeln liegt. Die Zeiten kurz nach Einbruch der Dunkelheit und kurz vor der Morgendämmerung sind somit bevorzugte Gelegenheiten fürs "Stationspotting".

Wie bei anderen astronomischen Ausblicken auch, bieten ein wolkenloser Himmel, ein Ort weit weg vom Streulicht der Städte und eine möglichst ebene Landschaft die optimalen Voraussetzungen für eine ungetrübte Beobachtung. Dann steht einem Blick auf die Station nicht mehr viel im Wege. Fragt sich nur, wann der Blick genau gen Himmel gerichtet werden muss?

Hilfe aus dem Internet

Erste Anlaufstelle für derartige Fragen ist natürlich die Nasa. Und die wartet mit einem ganzen Bündel von Tipps zur Beobachtung auf. So existiert - zumindest für die vier größten deutschen Städte - eine aktuelle Liste  mit sichtbaren Überflügen.

Als Alternative ist ein rund 300 Kilobyte großes Java-Applet  im Angebot: Damit lässt sich sowohl das Beobachtungsobjekt als auch der eigene Ort wählen. Größere Städte sind vorgegeben, bei kleineren müssen Zeitverschiebung sowie Länge und Breite eingegeben werden. Die Daten zur geografischen Lage lassen sich entweder in Atlanten finden oder im Internet, zum Beispiel beim Astrodienst .

Nach einer mitunter langwierigen Suche spuckt das Programm die Ergebnisse aus, entweder als Liste (auch zum Ausdrucken) oder grafisch in Form einer stilisierten Sternkarte mitsamt Horizont und den wichtigsten Objekten am Himmel.

Schneller, komplizierter und dadurch leider auch etwas unübersichtlicher kommt die hauseigene Konkurrenz des Marshall Space Flight Center  der Nasa in Alabama daher. Vor allem die grafische Darstellung der Suchergebnisse ist etwas gewöhnungsbedürftig. Dafür bietet J-Pass einen personalisierten E-Mail-Service  an, der ISS-Fans über aktuelle Beobachtungsmöglichkeiten informiert - inklusive einer kleinen Grafik.

Konkurrenz aus deutschen Landen

Nicht ganz so bunt, nicht ganz so verspielt, aber nicht minder informativ als die Nasa ist die Vorhersage bei Heavens-above.com . Die Website, die aus einem Projekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt hervorgegangen ist, beeindruckt vor allem durch ihre riesige Auswahl an Städten. Auch die Ausgabe der Ergebnisse mit zwei Sternkarten und vielen Details zur Beobachtung kann sich sehen lassen.

Das nächste Mal, da sind sich die drei Programme einig, werden die Süddeutschen am 12. Dezember einen Blick auf die Station werfen können. Wenn das Wetter mitspielt, ist die Station um 18.29 Uhr von München aus für ganze 20 Sekunden tief am südlichen Himmel zu sehen.

Die Norddeutschen müssen sich zwei Tage länger gedulden. Beobachter in Hamburg können den neuen Stern beispielsweise am 14. Dezember ab 18.01 Uhr für rund eine Minute knapp über dem südlichen Horizont erspähen.

Damit nicht genug: Ausgerechnet im Heiligen Jahr 2000 macht die Station dem Stern von Bethlehem Konkurrenz. So ist die Station am Heiligabend von Deutschland aus gleich zweimal zu sehen, am besten um 18.17 Uhr. Dann zieht die ISS für knapp drei Minuten von Westen nach Osten über den Nachthimmel - immer in Richtung Morgenland.