Strahlenschutzbericht Erhöhte Dosis
Berlin - Die mittlere Strahlenbelastung erhöhte sich von 1,5 auf 2,0 Millisievert (mSv), erklärten Bundesumweltminister Jürgen Trittin und der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, am Mittwoch. Im Vergleich liegt der Wert damit höher als in den meisten europäischen Ländern.
Röntgenuntersuchungen und der Einsatz radioaktiver Stoffe in der Medizin ließen die Strahlenbelastung der Bevölkerung in den letzten Jahren deutlich ansteigen. Für fast 56 Prozent der Kollektivdosis sind die Computertomographie (CT) und die radiologische Darstellung von Blutgefäßen mit Hilfe von Kontrastmitteln (Angiographie) verantwortlich, obwohl sie zusammen nur sechs Prozent aller radiologischen Untersuchungen ausmachen. Umgekehrt haben die sehr häufigen Röntgenuntersuchungen der Zähne und der Gliedmaßen einen sehr geringen Anteil an der Kollektivdosis. Kerntechnische Anlagen spielen kaum eine messbare Rolle, die zivilisatorische Belastung geht fast ausschließlich von der Medizin aus.
Trittin und König, die den jährlichen Strahlenschutzbericht vorstellten, riefen die Ärzteschaft auf, noch genauer als bisher in jedem Fall Nutzen und Risiken solcher Untersuchungen abzuwägen und die Patienten darüber aufzuklären. Trittin kündigte darüber hinaus eine Überarbeitung der Röntgenverordnung an mit dem Ziel, die Strahlenbelastung in der Medizin zu senken, ohne die Qualität der Versorgung zu beeinträchtigen.
Strahlenschutzwerte auch für Piloten und Stewardessen
Nach Angaben des Ministers soll die kurz vor der Fertigstellung stehende neue Strahlenschutzverordnung das Schutzniveau weiter verbessern. Eine Absenkung der Dosisgrenzwerte sei von 1,5 auf 1,0 mSv pro Jahr vorgesehen. Für beruflich Strahlen ausgesetzten Personen von 50 auf 20 mSv pro Jahr. Erstmals solle das auch für natürliche Strahlungsquellen gelten. Somit müssten Fluggesellschaften durch entsprechende Flugplangestaltung dafür sorgen, dass ihre Piloten und Flugbegleiter nur mit maximal 20 mSv Höhenstrahlung im Jahr belastet werden.
Auch der anhaltende Handy-Boom erfordert nach Ansicht von Trittin und König Schutzmaßnahmen. Die Belastung durch Elektrosmog gehe dabei nicht von den inzwischen technisch stark verbesserten Handys aus, sondern von der Vielzahl der Sendeanlagen. In Gesprächen mit den Netzbetreibern solle jetzt dafür gesorgt werden, vor der Einführung der dritten Mobilfunk-Generation (UMTS), dass Sendemasten gemeinsam genutzt werden und nicht jeder Betreiber ein eigenes Netz von Sendeanlagen errichte. Die Fehler beim Aufbau der bisherigen Netze dürften nicht wiederholt werden.