Studie: Ein bisschen Depression ist gesund - DER SPIEGEL
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Studie Ein bisschen Depression ist gesund

Leichte depressive Symptome sind gut für das Wohlergehen. Experten sprechen von "sinnvoller psychosozialer Bremse". Erst eine Über- oder Dauerdosis macht krank.
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Erlangen - In der Zeitschrift "ZNS-Spektrum" wird unter Berufung auf zwei voneinander unabhängigen Studien berichtet, dass depressive Symptome erst dann zu einer Störung mit Krankheitswert werden, wenn sie einen bestimmten Schweregrad erreichen oder eine bestimmte Mindestzeit anhalten.

Seelische Beschwerden seien unterhalb dieser Grenzen nützliche Signale. Dem Betroffenen und seiner Umwelt teilten diese mit, dass der "Bedrückte" unter Druck stehe, weil er und seine Umgebung in bestimmten Punkten nicht "harmonierten".

Als "eine sinnvolle psychosoziale Bremse" lassen sich nach Angaben der Wissenschaftler einige typische depressive Symptome wie Antriebshemmung, Verlust von Interesse oder Entscheidungsschwäche interpretieren. Sie zöge "den Depressiven gleichsam aus dem sozialen Verkehr, wo ihm mit seiner bisherigen Fahrweise ständige Unfälle drohen", berichtete die Fachzeitschrift. Die Betroffenen würden quasi in eine Art Winterschlaf versetzt.

Depressionen sind nach dieser Interpretation also keine Defekte. Sie sind gesunde Abwehrmechanismen, die verhindern, dass weitere Anstrengungen, weiteres Konkurrieren und Kämpfen die Situation nur noch mehr verschlechtern.

Die Symptome ähnelten somit körperlichen Beschwerden wie Husten, Erbrechen, Durchfall, Schmerz oder Fieber, die in aller Regel ebenfalls eine sinnvolle Aufgabe erfüllen. Deshalb gelte auch für Depressionen: Während echte Defekte behoben werden sollten, kann es schädlich sein, normale körperliche oder seelische Abwehrmechanismen zu unterbinden.