Styropor-Ersatz: Kunststoff aus Orangenschalen - DER SPIEGEL
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Styropor-Ersatz Kunststoff aus Orangenschalen

An Styropor kommt man kaum vorbei. Tausende Tonnen werden jedes Jahr für Wärmedämmungen oder Verpackungen produziert, als Ausgangsstoff dient Erdöl. Jetzt haben US-Chemiker einen ganz ähnlichen Kunststoff hergestellt - aus Kohlendioxid und Orangenschalen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Unter Früchteliebhabern ist es ein beliebtes Experiment: Wer die Schale einer Apfelsine ein wenig zusammenpresst, sieht, wie kleine Tröpfchen einer wohlriechenden Flüssigkeit heraussprühen. Wird dieses Spray in eine brennende Kerze gesprüht, gibt es eine harmlose Verpuffung. Was da aus der Orangenschale spritzt, sind ätherische Öle. Zu 95 Prozent besteht das Spray aus der Substanz Limonen.

Dieses Öl reizte den Chemiker Geoffrey Coates von der Cornell University. Wie sein Team im "Journal of the American Chemical Society" berichtet, gelang es, das Limonen mit Kohlendioxid reagieren zu lassen und dabei einen neuen Kunststoff zu gewinnen, der viele Eigenschaften von Styropor aufweist.

Das Limonen-Molekül besteht hauptsächlich aus Kohlenstoff und kommt in über 300 Pflanzenarten vor. Schon heute wird es industriell eingesetzt, etwa um Haushaltsreinigern ihren Duft zu verleihen. Die Hauptquelle für Limonen sind Orangenschalen, wie sie etwa bei der Produktion von Orangensaft anfallen.

Die Gruppe um Coates ließ das Limonen zunächst mit Sauerstoff reagieren. So entstand Limonen-Oxid, einer der Bausteine des neuen Kunststoffs. Ihn brachte Coates mit Kohlendioxid zusammen. Dazu nutzte er einen neuen Katalysator, der in seinem Labor entwickelt wurde.

In der Chemie sind Katalysatoren Substanzen, die Reaktionen zwischen verschiedenen Stoffen ermöglichen. Aus dem Limonen-Oxid und dem Kohlendioxid wurde durch die Mithilfe des Katalysators Poly-Limonen-Karbonat, ein brauchbarer Styropor-Ersatz. "Dieses Molekül ist eine sehr lange Kette, in der sich die Bausteine Limonen-Oxid und Kohlendioxid abwechseln", erklärte Coates.

Nicht nur der nachwachsende Rohstoff Limonen macht diese Entwicklung interessant, sondern auch die Verwendung des Treibhausgases Kohlendioxid. Coates und seine Kollegen stellen sich vor, dass das Gas für die Produktion ihres neuen Kunststoffs genutzt werden könnte, statt in die Atmosphäre zu entfleuchen. "Nahezu jeder Kunststoff der Welt wird aus Erdöl hergestellt", sagt Coates. "Uns ist es gelungen, aus erneuerbaren und überall verfügbaren Rohstoffen einen Kunststoff mit sehr guten Materialeigenschaften zu produzieren."