Suchtprävention Wissenschaftler fordern echte Light-Zigaretten
Die früher unter dem Namen "light" verkauften Zigaretten enthielten nicht grundsätzlich weniger Nikotin. Sie waren vielmehr so konstruiert, dass bei Tests mit Maschinen die Nikotineinnahme vermindert war, da diese Zigaretten schneller verbrannten, aus poröserem Papier bestanden und Ventilationslöcher am Filter aufwiesen.
Zigaretten mit weniger Nikotin können die Abhängigkeit von Rauchern jedoch senken, berichten Wissenschaftler um Neal Benowitz von der University of California in San Francisco in der Fachzeitschrift "Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention". Das habe eine Studie mit Rauchern gezeigt, die über mehrere Wochen hinweg Zigaretten mit sukzessiv verringertem Nikotingehalt geraucht hätten. Die Probanden zeigten nach dem Ende der Untersuchung einen deutlich geringeren Nikotinbedarf.
Die 20 Teilnehmer der Studie rauchten eine Woche lang ihre gewöhnliche Zigarettensorte, bevor sie sechs Wochen lang Zigaretten mit zunehmend geringerem Nikotingehalt bekamen. Nach den sechs Wochen entschieden sich die meisten der Teilnehmer, zu ihrer früheren Zigarettensorte zurückzukehren. Trotzdem änderte sich das Rauchverhalten der Teilnehmer: Sie konsumierten einen Monat nach Ende der Tests 40 Prozent weniger Zigaretten am Tag als zu Beginn der Studie und somit auch entsprechend weniger Nikotin. Ein Viertel der Teilnehmer hatte das Rauchen während der Studie sogar ganz aufgegeben.
Die bei den Untersuchungen eingesetzten Zigaretten mit vermindertem Nikotingehalt sind im Handel nicht erhältlich. Die Forscher sprechen sich daher dafür aus, den Nikotingehalt im Tabak von Zigaretten generell zu senken. So würden junge Menschen, die mit dem Rauchen anfangen, weniger stark abhängig und Langzeitraucher könnten ihren Konsum reduzieren oder das Rauchen eher ganz beenden, betont Benowitz. Das könne viele Menschen vor den Folgen des Rauchens bewahren.
Die US-amerikanische Zigarettenindustrie hat in Sachen Nikotinkonzentration jedoch das Gegenteil von dem gemacht, was die Mediziner jetzt vorgeschlagen haben. In nur acht Jahren seien die Nikotinmengen in Zigaretten um elf Prozent erhöht worden, berichteten Anfang des Jahres Mediziner. Die Verbraucher seien darüber nicht informiert worden. Das Abhängigkeits-Risiko wurde so erhöht.
lub/ddp