Terminator 4 Muskel treibt Roboter an
Ohne Lupe sieht man sie kaum, die Neukreation amerikanischer Forscher. Die eigenwillige Mischung aus Tier und Maschine ist etwa halb so dick ist wie ein Menschenhaar. Bewegt wird der winzige Siliziumroboter von lebenden Herzmuskelfasern. Durch deren Kontraktionen kriecht das bisher noch funktionslose Minibauteil mit 14 Zentimetern pro Stunde vorwärts. Als Treibstoff reicht dem "Muskel-Bot" eine einfache Zuckerlösung, berichtet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist".
Der Prototyp besteht aus einem dünnen Siliziumbogen, an dessen Unterseite die Muskelfasern befestigt sind. Im gleichen Rhythmus, in dem sich die Fasern zusammenziehen und wieder entspannen, beugt und streckt sich das flexible Material - und die Maschine rutscht auf diese Weise vorwärts. Obwohl das Konzept solcher muskelgetriebener Roboter schon älter ist, gelang es bisher nicht, die Muskelfasern fest am Silizium zu verankern.
Carlo Montemagno und sein Team von der University of California in Los Angeles haben jetzt jedoch eine Lösung für dieses Problem gefunden: Sie beschichteten die Seite des Siliziumbogens, an der die Muskelzellen anwachsen sollten, mit einem dünnen Goldfilm. Anschließend gaben sie den Bogen zusammen mit Herzmuskelzellen von Ratten in eine Kulturschale. Schon nach drei Tagen hatten die Zellen Muskelfasern gebildet, die sich an die Goldschicht angeheftet hatten. So entstand ein kabelähnlicher Strang von Herzmuskelfasern, der von einem Ende des Siliziumbogens zum anderen verlief.
Montemagno kann sich mehrere Anwendungen für solche Muskel-Bots vorstellen. So hatte ihn zum Beispiel die Nasa beauftragt, Miniroboter zu entwickeln, die auf der Außenseite eines Raumschiffs entlang kriechen und Einschläge von Mikrometeoriten reparieren können. Und auch in der Medizin könnten muskelgetriebene Bauteile eingesetzt werden, beispielsweise um Lücken nach einer Nervenverletzung zu überbrücken. Bis eine dieser Ideen tatsächlich umgesetzt werden kann, werden nach Montemagnos Einschätzung allerdings noch mehrere Jahrzehnte vergehen.