Tierstudie: Mäuseherzen nach Infarkt geheilt - DER SPIEGEL
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Tierstudie Mäuseherzen nach Infarkt geheilt

Nach einem Infarkt ist das Herz meist für immer geschädigt. Jetzt aber ist es Forschern erstmals gelungen, ausgewachsene Pumporgane zu heilen: Ein Eiweißstoff ermöglichte die Herzmuskel-Reparatur bei Mäusen.
Von Nicole Hulka
Labormaus: Herzmuskel kann sich selbst heilen
Labormaus: Herzmuskel kann sich selbst heilen

Labormaus: Herzmuskel kann sich selbst heilen

Foto: A9999 Iemm/Münster/ dpa
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Viele Menschen ereilen die Anzeichen für einen Herzinfarkt aus heiterem Himmel. Oft bleibt ihr Herz danach geschädigt. Eine neue Studie aber macht Hoffnung, dass solchen Patienten geholfen werden könnte: Forscher haben jetzt in einer Untersuchung mit Mäusen herausgefunden, dass sich das Herz der Tiere selbst heilen kann.

Ein Herzinfarkt kündigt sich mit einem Engegefühl in der Brust an. Es folgen Atemnot und Schmerzen, die über den Hals bis in die Arme ausstrahlen können. Strohhalmdicke Arterien versorgen das Herz mit Blut. Verstopfen sie, unterbricht die lebensnotwendige Sauerstoffzufuhr.

Bei zwei von drei Patienten, die einen Herzinfarkt überleben, bleibt der Herzmuskel geschädigt, weil in kürzester Zeit das Gewebe um die verstopfte Stelle des Herzkranzgefäßes abstirbt. Je mehr Gewebe abgestorben ist, desto schwächer schlägt das Herz. Typische Folgeschäden können Herzrhythmusstörungen sein, bei denen das Organ zu langsam, zu schnell oder unregelmäßig schlägt.

Eiweißmittel verabreicht

Bisher nahmen Experten an, dass die Fähigkeit zur Selbstheilung im ausgewachsen Herzen verloren geht. Die Schäden am Herzmuskel nach einem Infarkt bestehen somit ein Leben lang. Forscher haben jetzt jedoch herausgefunden, dass das Herz von Mäusen stimuliert werden kann, sich selbst zu heilen.

Zellen im ausgewachsenen Herzmuskel von Mäusen können demnach mit einem Eiweiß dazu gebracht werden, sich in Herzmuskelzellen zu verwandeln. Sie ersetzen abgestorbene Zellen und reparieren Schäden, schreiben Nicola Smart vom Institute of Child Health in London und ihre Mitarbeiter im Wissenschaftsmagazin "Nature" .

Für ihre Untersuchung verabreichten die Mediziner gesunden Nagern das Eiweiß Thymosin beta-4 (Tß4). Von Tß4 ist bekannt, dass es das Wachstum neuer Blutgefäße im Herzen nach einem Infarkt begünstigt. Nachdem die Mäuse einen Herzinfarkt erlitten hatten, wurde ihnen das Mittel erneut verabreicht. Dann passierte es: Es entstanden Herzmuskelzellen. Sie fügten sich in den Herzmuskel und reparierten dort Schäden. Bei Mäusen, denen Tß4 verabreicht wurde, blieben weniger Schäden zurück als bei unbehandelten Tieren.

Diese heilenden Reparaturzellen befinden sich vermutlich in der äußeren Schicht des Herzmuskels, dem sogenannten Epikard - deshalb werden sie Epicardial Derived Cells (EPDC) genannt. Die Wirkung der Zellen ist von Embryos bekannt: Während ihres Wachstums verwandeln sich die EPDC-Zellen in verschiedene Zelltypen des Herzens, unter anderem in Herzmuskelzellen. Dieses Prinzip konnten Smart und ihre Kollegen an den Mäusen nun erstmals auch bei ausgewachsenen Herzen feststellen.

Therapie lässt auf sich warten

Ob in Zukunft menschliche Herzen nach einem Infarkt verheilen könnten, ist dennoch nicht gesichert. Den Forschern gelang es zwar, bei den Mäusen die Herzmuskelzellen zu heilen. Allerdings werden mit der neuen Behandlungsmethode zu wenig Zellen erzeugt, um eine Herzschwäche zu verhindern. Der Umwandlungsprozess der Zellen sei noch nicht sehr effektiv, räumen die Forscher ein. Es müssten deshalb andere Substanzen gesucht werden, die die Heilung verbessern, ehe eine Infarkttherapie beim Menschen in Frage komme.

"Wir haben gezeigt, dass es möglich sein könnte, Herzen zu reparieren, die durch einen Infarkt geschädigt sind", sagt Paul Riley vom University College London, der die Untersuchung leitete. "Unser Verfahren könnte dazu beitragen, neue Therapien gegen Herzinsuffizienz zu entwickeln." Bis es so weit ist, dürften aber noch einige Jahre vergehen.

Mit Material von dpa und dapd

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