Umwelt Der teure Wettlauf mit der Evolution
Survival of the fittest - der Stärkste überlebt, ist das Prinzip der Evolution. Die natürliche Auslese hat über Jahrmilliarden zur ständigen Weiterentwicklung und optimalen Anpassung von Organismen geführt - und sie kann selbst mit der modernsten Wissenschaft nicht gestoppt werden. Immer wieder schlagen etwa Krankheitserreger neu entwickelten Medikamenten ein Schnippchen. Einige von ihnen überleben die Behandlung und vermehren sich ungehindert weiter. Dieses Grundprinzip der Biologie müssen die Menschen teuer bezahlen: Nach Berechnungen des Wissenschaftlers Stephen Palumbi von der Harvard University müssen dafür allein in den USA jährlich bis zu 50 Milliarden Dollar ausgegeben werden.
"Und das ist noch eine zurückhaltende Schätzung", sagte der Wissenschaftler dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist". In seiner Arbeit hebt der Wissenschaftler besonders kostspielige Beispiele für durch den Menschen verursachten Evolutionsdruck hervor. Zwei Kernprobleme sind demnach die zunehmenden Resistenzen des Erregers Staphylococcus aureus sowie die Ernteausfälle durch unwirksam gewordene Pflanzenschutzmittel.
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Aber auch die Ansiedlung neuer Arten in anderen Lebensräumen oder die riesigen Fischernetze, die die Meere durchkämmen, hätten großen Einfluss auf die Entwicklung des Lebens. Von Schnecken bis zum Unkraut richten sich die Organismen auf die neuen Rahmenbedingungen ein. Ein wahrer Meister der Evolution sei das HI-Virus. Es verändere sich so schnell, dass es praktisch in jedem infizierten Menschen eine neue Spezies begründet.
Es sei deshalb notwendig, fordert der Forscher, dass Strategien entwickelt werden, mit der ungewollte Evolution verlangsamt oder verhindert werden kann. Eine Möglichkeit sei beispielsweise, verschiedene Unkrautvernichtungsmittel miteinander zu mischen, um so die Entstehung von Resistenzen zu verhindern. Noch äußerst wirksame Antibiotika wie Vancomycin sollten nur als letzte Reserve eingesetzt werden. So ist die Chance geringer, dass Bakterien gegen das Medikament immun werden.
Palumbi fordert, dass man sich mit der Weiterentwicklung des Lebens sinnvoll auseinander setzt: "Wir bezahlen eine ganze Menge für dieses Wettrüsten." Entscheidungsträger müssten das Prinzip Evolution anerkennen und zum Teil ihrer Politik machen. "Fast die Hälfte der Amerikaner glaubt nicht an die Evolution. Wir müssen das den Menschen beibringen. Etwas anderes können wir uns gar nicht leisten", sagte Palumbi.