Uno-Klimagipfel in Glasgow: Warum es das »Blabla« von Tausenden Diplomaten braucht - DER SPIEGEL
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Susanne Götze

meinung •Uno-Klimagipfel in Glasgow Warum es das »Blabla« von Tausenden Diplomaten braucht

Susanne Götze
Ein Kommentar von Susanne Götze
Der Gipfel »der letzten Chance« in Glasgow startete mit einem Feuerwerk an Klimaversprechen. Doch was die 200 Länder bisher lieferten, reicht nicht aus. Trotzdem ist das kein Grund für populistische Attacken.
Fridays-for-Future-Protest in Glasgow
Fridays-for-Future-Protest in Glasgow

Fridays-for-Future-Protest in Glasgow

Foto: DANIEL LEAL-OLIVAS / AFP

In Glasgow gibt es derzeit zwei Parallelwelten. Je nach Stimmung kann man sich der Hoffnungs- oder der Meckerfraktion anschließen. Die einen sitzen im Scottish Event Center und bekommen seit einer Woche kaum Schlaf. Die anderen demonstrieren, blockieren und malen nächtelang an Plakaten. Beide Lager haben komplett verschiedene Visionen, wie es eine Woche nach Start der Uno-Klimakonferenz um die Rettung der Welt steht.

Die Klimaaktivisten zogen am Freitag wieder durch die Glasgower Innenstadt und stimmten in Greta Thunbergs »Blabla« ein. Übersetzt heißt das: Nichts als leere Worte, alles Schall und Rauch – nichts bewegt sich auf der Klimakonferenz. Das ist die Botschaft der Klimabewegung.

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Ergo: Uno-Klimakonferenzen sind eigentlich überflüssig. Und außerdem fliegen die Diplomaten und Journalisten auch noch mit dem Flugzeug hin (wie kann man nur!).

Klimaaktivisten in Glasgow mit dem »Blabla«-Slogan

Klimaaktivisten in Glasgow mit dem »Blabla«-Slogan

Foto: RUSSELL CHEYNE / REUTERS

So alt wie die Klimakonferenzen sind, so alt ist auch die Kritik an ihnen. Doch vielleicht sollten die Leute auf der Straße doch mal kurz innehalten und überlegen, was sie da eigentlich fordern. Richtig ist, dass die Emissionen auch nach Corona wieder steigen und schon nächstes Jahr auf das Niveau von vor der Pandemie zurückkehrten könnten. Richtig ist auch, dass Öl- und Gaskonzerne auch 2021 noch neue Förderlizenzen bekommen, Kohlekraftwerke gebaut werden und es überall von Greenwashing  wimmelt.

Ja, es gibt allen Grund zur Beschwerde – aber ist die Attacke auf die einzige Institution, die versucht, das Problem global zu lösen, wirklich sinnvoll? Und was ist die Alternative: die Uno-Klimakonferenzen abschaffen?

Alle Artikel zum Uno-Klimagipfel

Anfang November trifft sich die Staatengemeinschaft im schottischen Glasgow zur 26. Uno-Klimakonferenz, der COP26. Auf dem zweiwöchigen Treffen geht es darum, die Ziele der Länder zu erhöhen und gemeinsame Regeln für den Kampf gegen die Klimakrise zu definieren. Lesen Sie hier alle Artikel zum Gipfel.

Im Maschinenraum der Verhandlungen bekamen Beobachter die ganze erste Woche genau das Gegenteil geboten: Eine Ankündigung jagte die nächste – erst auf dem World Leaders Summit, dann am »Energietag« und »Finanztag«: Ausstieg aus der Kohle, ein Pakt zur Senkung von Methanemissionen , vollmundige Versprechen zum Stopp der Entwaldung und ein Deal zu Klimahilfen für arme Länder.

In diesem Universum wiederum könnte man glatt das Gefühl bekommen, dass eigentlich alles hervorragend läuft. Einer, der wenig Schlaf bekommt, ist etwa der deutsche Staatssekretär Jochen Flasbarth . Er witzelte diese Woche in einem Gespräch mit Journalisten, dass er auch gern als »Optimismus-Bär« bezeichnet werde. Hört man ihm zu, bekommt man wirklich Hoffnung: Die Verhandlungen gehen voran, die Länder bewegen sich, und das »Feuerwerk konkreter Maßnahmen« würde eine »sehr große Relevanz« für die Erreichung des 1,5-Grad-Ziels haben.

Ist also alles in Butter, oder sind wir dem Untergang geweiht?

Die Antwort ist so komplex wie die Klimaverhandlungen selbst. Die erste Woche lief tatsächlich besser, als viele dachten. Am Ende hängt aber alles daran, welche Dynamik diese Konferenz aussendet. Und dafür müssen 200 Länder miteinander reden, dafür müssen sie sich einmal im Jahr treffen und sich schlaflose Nächte um die Ohren schlagen.

Ohne das »Blabla« von Tausenden Diplomaten geht es eben nicht.