Urmenschen: Termiten zum Dessert - DER SPIEGEL
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Urmenschen Termiten zum Dessert

Die Vorgänger des Menschen hatten anscheinend eine Vorliebe für Insekten. Dabei war die Lust auf Termiten möglicherweise so stark, dass die Hominiden extra Werkzeuge gebastelt haben.
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Washington - Lange Zeit galten sie als Vegetarier, doch Hominiden der Art Australopithecus robustus hatten vermutlich auch Tiere auf ihrem Speiseplan, genauer gesagt Termiten. Das zumindest glauben die Paläoanthropologen um Francesco d'Errico vom Centre National de la Recherche Scientifique im französischen Talence und Lucinda Backwell von der University of Witwatersrand in Südafrika.

Die Forscher haben Knochen genauer untersucht, die vor einigen Jahren gefunden wurden und als älteste bekannte Knochenwerkzeuge gelten. Dabei entdeckten sie an den 1 bis 1,8 Millionen Jahre alten Gebeinen charakteristische Spuren, die darauf hindeuten, dass mit den Werkzeugen in Termitenhügeln gestochert wurde - so wie es Menschenaffen noch heute tun. Bislang gingen die Forscher davon aus, dass mit den Knochen nach Knollen gegraben worden waren.

Doch mit Hilfe einer neuen mikroskopischen Technologie - und unterstützt von einem analytischen Computerprogramm - glauben d'Errico und Backwell, dies nun widerlegt zu haben. Zudem würden sich die potenziellen Termitenlöffel deutlich von anderen Knochen unterscheiden, die für das Ausheben von Knollen aus der Erde angefertigt wurden.

Die Insekten könnten den sonst vegetarisch lebenden Hominiden unter anderem Eiweiße und Fett geliefert haben. Die winzigen Tiere waren damit ein wichtiger Teil der Nahrung, heißt es in der US-Wissenschaftszeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences".

"Termiten stellen eine äußerst wertvolle Quelle für Proteine, Fett und Aminsäuren dar, auf die Primaten und moderne Menschen kaum verzichten konnten", schreiben die Wissenschaftler. "Während ein Rumpsteak pro Kilo 3220 Kalorien enthält, bringt es eine entsprechende Menge Termiten auf 5600 Kalorien."

Die beiden Teams beschreiben die Werkzeuge zum Termitenfang als gerade Knochensplitter von 13 bis 19 Zentimeter Länge. Mehrere tausend Knochen von vergleichbarer Größe wurden an den Fundstellen gefunden - ein Indiz dafür, dass die Hominiden ihre Werkzeuge sorgfältig ausgesucht haben.

Mit ihrem Fund werde auch klar, warum die Fossilien des Australopithecus robustus deutliche Spuren einer eiweißreichen Nahrung zeigten, so die Anthropologen. Die neuen Erkenntnisse würden zudem die Vermutung unterstützen, dass die Hominiden-Art deutlich weiter entwickelt gewesen sei, als viele Wissenschaftler bislang gedacht hätten.