US-Armee: Roboter bewachen Militärbasen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

US-Armee Roboter bewachen Militärbasen

Das US-Militär testet eine neue Variante des sauberen Kriegs gegen den Terrorismus. Anstelle von Soldaten sollen Roboter an bedrohten Stützpunkten Wache schieben. Die unbemannten Jeeps filmen laufend ihre Umgebung und schießen aus M-16-Gewehren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sergeant Miguel Jimenez arbeitet daran, sich überflüssig zu machen. Er entwickelt einen Roboter, der seinen Job als Wachsoldat an US-Militärstützpunkten im Ausland übernehmen soll.

Der Soldat tüftelt derzeit auf einem Air-Force-Gelände in Florida an unbemannten Jeeps, die eines Tages Eindringlinge aufspüren sollen. "Wenn jemand das Geld investiert und anstelle von Menschen Roboter wie diese nach draußen schickt, finde ich das voll in Ordnung", sagt Jimenez. Ein rollender Roboter wird nach seinen Angaben zwischen 200.000 und 500.000 US-Dollar kosten.

Einer der getesteten Wächter ist so groß wie ein Jeep und verfügt über Allradantrieb sowie Radar, Videokameras und Infrarotsensoren, um Menschen, Autos und andere potenzielle Gefahren erkennen zu können. Das Gefährt hat außerdem einen Mini-Roboter von der Größe eines Schuhkartons an Bord, der ausgesetzt werden kann, etwa um unter Fahrzeugen oder in Gebäuden nach Auffälligkeiten Ausschau zu halten.

Ein anderes Fahrzeug wurde auf Basis eines Serien-Geländewagens entwickelt und kann bei Bedarf auch wie ein normales Auto von einem Menschen gefahren werden. Beide Prototypen sind per Laptop aus der Ferne lenkbar. Auch die Bewaffnung - zum Beispiel ein M-16-Sturmgewehr oder Pfefferspray - lässt sich fernsteuern.

Die Entwickler der Wachroboter hoffen, dass ihre Kreationen Feinde rechtzeitig erkennen und so Soldaten aus Fleisch und Blut vor Angriffen schützen können. "Wenn jemand auf den Roboter schießt, ist uns das egal", erklärt Adolfo Meana, Entwicklungschef des Force Protection Battlelab  am Luftwaffenstützpunkt Lackland in Texas. Hauptsache sei, man erfahre, wo die Feinde sind - um sie effektiv bekämpfen zu können. "Die Roboter werden unseren Jungs das Leben retten."

Den Weg, den die Scout-Fahrzeuge bei ihren Patrouillen nehmen, können die Wachsoldaten programmieren. Sollten die Roboter auf Auffälliges stoßen, geben sie per Funk Alarm. Über integrierte Mikrofone und Lautsprecher kann der Operator auch mit Eindringlingen sprechen. Entwickler Jimenez hält die Steuerung via Laptop für äußerst einfach: "Wer sich mit Konsolen wie Playstation oder X-Box auskennt, kommt damit leicht zurecht."

Das Force Protection Lab wurde im Juli 1997 gegründet, wenige Wochen nachdem bei einem Autobombenanschlag auf einen US-Luftwaffenstützpunkt in Saudi-Arabien 19 amerikanische Soldaten umgekommen waren. Die 40 Beschäftigten, heißt es auf der Webseite der Einrichtung, entwickeln "innovative Konzepte für den Schutz von Luftwaffenpersonal, Immobilien und Waffensystemen". Die Hightech-Krieger arbeiten nicht nur an Wachrobotern, sondern beispielsweise auch an ferngesteuerten Hubschraubern, Sprengstoffdetektoren für Autobomben und mobilen Straßensperren, die selbst heranrasende schwere Lkw stoppen können.

Mehr lesen über