US-Marine Tierschützer klagen gegen Sonarsystem
Der Umweltverband Natural Resources Defence Council (NRDC) in San Francisco sagte gegenüber der amerikanischen Presse, mit dem Einsatz des neuen Sonarsystems werde das Gesetz zum Schutz von Meerestieren verletzt. Die Vibrationen würden unter anderem die Kommunikationssysteme der Tiere durcheinander bringen, was nach Angaben von Tierschützern zum Stranden und Sterben führen kann. "Wenn die Marine das System in Betrieb nimmt, werden zehntausende Quadratkilometer Ozean mit äußerst lauten und gefährlichen Geräuschen beschallt", sagte NRDC-Anwalt Joel Reynolds. Das Geräusch aus den Lautsprechern des Sonarsystems entspricht nach Angaben von Wissenschaftlern etwa dem eines Boeing- 747-Triebwerks beim Start.
Eine US-Regierungsbehörde hatte der Marine nach jahrelanger Auseinandersetzung im Juli grünes Licht für den Einsatz von zwei Niedrigfrequenz-Sonarsystemen gegeben. Jean-Michel Cousteau, Sohn des französischen Meeresforschers Jacques Cousteau und Vorsitzender der Ocean Futures Society, nannte die Entscheidung eine "Lizenz zum Töten". Die Marine habe ungeachtet der Proteste von Wissenschaftlern die Erlaubnis erhalten, Tierschutzgesetze zu brechen.
Nach Angaben der Tierschützer kommunizieren große Wale ungefähr auf denselben niedrigen Frequenzen wie das Sonarsystem. Mindestens sechzehn Wale, die im März 2000 an die Küste der Bahamas geschwemmt worden waren, wurden nach offiziellen Untersuchungen durch Lärmvibrationen eines Mittelfrequenz-Sonars der Marine in die Irre geleitet. Dabei starben acht Tiere. Die Wissenschaftler entdeckten Blutungen im Gehirn- und Ohrbereich der Wale, die auf Lärmeinwirkungen zurückgeführt wurden. Sprecher der Marine verteidigten das System mit der Begründung, die Sicherheit müsse Vorrang vor dem Schutz der Tiere haben.