Venedig Canaletto hilft bei der Rettung
Die viel gerühmte Präzision Canalettos (1697-1768) könnte dazu beitragen, Venedig vor dem Untergang in den steigenden Fluten zu bewahren. Wie das britische Fachmagazin "New Scientist" in seiner kommenden Ausgabe berichtet, haben italienische Klimaforscher die architektonisch getreuen Stadtansichten des Künstlers analysiert, um Rückschlüsse auf den Wasserstand im Venedig des 18. Jahrhunderts zu ziehen.
Canaletto hatte auf seinen Bildern sogar die braungrauen Linien gemalt, die auf den Häuserwänden die Grenze des Algenbewuchses und damit den durchschnittlichen Höchststand des Wassers zu dieser Zeit markieren. Das Team um Dario Camuffo vom Institut für Klima- und Atmosphärenforschung in Padua verglich die gepinselten Markierungen mit dem heutigen Wasserstand.
Camuffo und seine Kollegen fanden so heraus, dass der mittlere Pegel seit Canalettos Tagen um rund 80 Zentimeter gestiegen ist. Ohne die Gemälde wäre es den Forschern schwer gefallen, den damaligen Wasserstand zu rekonstruieren - Messungen mit Instrumenten wurden in Venedig erst ab 1872 vorgenommen. Mit Hilfe der historischen Daten sollen nun neue Schutzstrategien für Venedig entwickelt werden.
Zweifel an den per Bildanalyse ermittelten Werten haben die Forscher nicht. Canaletto habe eine Lochkamera, die so genannte Camera obscura, benutzt, um Szenen für seine Gemälde in Skizzen festzuhalten, erläutert Camuffo. Dadurch konnte der Maler Stadtansichten von nahezu fotografischer Genauigkeit anfertigen. "Canaletto ist absolut verlässlich", urteilen die Wissenschaftler.