Verbrechen Barcodes zur Fahndung
Als im November letzten Jahres Ronny Rieken als Mörder der elfjährigen Christina Nytsch anhand einer Speichelprobe überführt werden konnte, wurde die neue Fahndungstechnik auch im Ausland bejubelt. Immerhin wurde Rieken unter insgesamt 18.000 Männern durch den "genetischen Fingerabdruck" als Täter identifiziert.
Doch schon sehr bald könnte die DNA-Analytik zur Aufklärung von Verbrechen der Vergangenheit angehören. Das jedenfalls meinen einige Wissenschaftler. Denn das kalifornische Biotechnologieunternehmen Miragen hat einen neuen Test entwickelt, der sehr viel schneller durchzuführen und dabei auch noch billiger als die DNA-Methode ist. Untersucht werden dabei "individuell-spezifische Autoantikörper", also Abwehrstoffe aus Eiweißmolekülen, die in ihrem Aufbau bei jedem Menschen einzigartig sind.
Hierzu tragen die Forscher eine Blutprobe auf ein mit Proteinen beschichtetes Blatt Papier auf und färben es anschließend. Die dadurch entstehenden violettfarbenen Banden, die einem Barcode ähneln, bilden dabei ein Muster, das so spezifisch wie ein Fingerabdruck ist.
Bisher wurde der Test nur zur Kennzeichnung von Blutproben eingesetzt, doch erste Versuche an Freiwilligen verliefen vielversprechend. Vicki Thompson vom Idaho National Engineering and Environmental Laboratory in Idaho Falls, hat das Blut von zehn Testpersonen vermischt und es dann in 422 Einzelproben aufgeteilt, um Bedingungen zu schaffen, wie sie oft auch an Tatorten von Verbrechen vorgefunden werden. Bei der anschließenden Analyse des Blutgemisches mit dem Antikörper-Test konnte die Wissenschaftlerin immerhin 384 Proben korrekt zuordnen. Nach Thompsons Einschätzung sind zwar noch einige Verbesserungen notwendig, um die Trefferquote zu erhöhen. Doch mittelfristig werde sich der Test durchsetzen, weil er billiger als die DNA-Untersuchung ist. Denn "in einem Mordfall mit zehn Verdächtigen kostet eine DNA-Analyse zwischen 2.000 und 12.000 Dollar, während die gleiche Untersuchung mit dem Antikörpertest für nur 200 Dollar durchgeführt werden kann", so die Wissenschaftlerin.
Weniger euphorisch beurteilt Gunnar Bläß vom Landeskriminalamt in Berlin die neue Methode. Denn "die Eiweißmoleküle verändern sich, wenn eine Probe lange im Freien gelegen hat oder der Sonne ausgesetzt war. Eine Bestimmung ist dann nicht mehr möglich". Derartige Probleme gibt es bei der DNA-Analyse nicht. Auch mehrere Jahre alte Proben können mit ihr noch ohne allzu großen Aufwand untersucht werden. Außerdem, so Bläß, "wird es mit einer neuen Chiptechnologie schon in einigen Jahren möglich sein, die DNA innerhalb von zirka 30 Minuten vollautomatisch zu analysieren".
Einen Vorteil gegenüber der DNA-Untersuchung hat das neue Verfahren allerdings doch. Weil das Sperma von sterilisierten Männern keine DNA enthält, kann es im Falle einer Vergewaltigung schwierig sein, ihnen diese nachzuweisen. Mit dem Antikörper-Test wäre das kein Problem.