Vogel vermisst: Ararinha, bitte melde dich - DER SPIEGEL
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Vogel vermisst Ararinha, bitte melde dich

Versteckt, verschleppt oder gar tot? Brasiliens letzter Kleiner Blauer Ara ist verschwunden. Jetzt soll eine dreiwöchige Suchaktion gestartet werden.
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Rio de Janeiro - Brasiliens Biologen sind verzweifelt: Einer der seltensten Vögel der Welt, der letzte frei lebende Kleine Blaue Ara, wird seit nunmehr 56 Tagen vermisst. Nächste Woche wollen 15 Wissenschaftler der Umweltbehörde "Ibama" eine Suche in der nordöstlichen Region Curuca starten.

"Dass unser Ararinha während der Trockenzeit verschwindet, ist zwar normal, aber nie länger als 15 Tage", erläuterte die Biologin Yara Barros. Erst nach dem geplanten Ende der Suche am 22. Dezember werde man ein endgültiges Urteil abgeben können.

Die "Ibama"-Experten hoffen, den 19 Jahre alten männlichen Langschwanz-Papagei (Cyanopsitta spixii) lebend finden zu können. In der Regel ist er seiner natürlichen Umgebung sehr treu. Weltweit gebe es zwar noch 66 in Gefangenschaft lebende Kleine Blaue Aras. "Aber nur das vermisste Exemplar lebt noch im natürlichen Zustand und gibt uns deshalb wertvolle Informationen", sagte Barros.

Das plötzliche Verschwinden ist um so tragischer, da dem Ara in den kommenden Monaten unerwartetes Liebesglück ins Haus stehen würde: Aus den Philippinen sollten fünf Weibchen eingeflogen und ausgesetzt werden. Die Wissenschaftler wollten einen Fortpflanzungsversuch der Vögel starten.

Der vermisste Ara könnte von einem seiner natürlichen Feinde, etwa einem Greifvogel, angegriffen worden sein. Die Tierwelt in Brasilien hat aber auch andere, weniger natürliche Feinde. "Wir können nicht ausschließen, dass Tierhändler Ararinha entführt haben, denn das Tier hat, wie ein Picasso, Liebhaberwert", sagte Barros.

Nach Angaben der brasilianischen Organisation zur Bekämpfung des Tierhandels (Renctas) werden in Brasilien jährlich zwölf Millionen Tiere - von seltenen Vögeln und Schlangen bis hin zu großen Säugetieren - verschleppt. Am beliebtesten sind dabei die bunten Papageien. "In diesem Fall glauben wir eher nicht, dass es das Werk von Tierhändlern war", meint Barros. Die Einwohner der Region Curuca, die früher mit der Tiermafia gemeinsame Sache gemacht haben, seien heute stolz auf ihre Tierwelt. "Die Bevölkerung will uns nun sogar bei der Suche mit Hunderten von Freiwilligen unterstützen."

Brasilien gilt als das Land mit der größten Artenvielfalt weltweit. Allein die brasilianische Amazonas-Region beherbergt 1400 Fisch- und 1300 Vogel-Arten. Brasilianische Experten schätzen, dass nur 50 Prozent der gesamtem Flora und Fauna des Landes bekannt sind.

Emilio Rappold, dpa