Vogelgrippe Experten warnen vor Hysterie
Hamburg/Rom - "Wir stehen keiner menschlichen Seuche gegenüber, und die Tatsache, dass das Virus H5N1 an den Toren Europas angekommen ist, bedeutet nicht, dass man die Strategie ändern müsste", sagte der Leiter des europäischen Ablegers der Weltgesundheitsorganisation WHO, Roberto Bertollini, gestern in Rom. Bislang werde der Erreger immer noch von Tier zu Tier weitergegeben, und dass die Epidemie sich unter Tieren verbreite, heiße nicht unbedingt, dass sie sich auch beim Menschen massenhaft ausbreiten werde.
Es handele sich immer noch um Einzelfälle, dass Menschen sich mit dem Virus ansteckten, sagte der italienische Arzt. Dies sei im Übrigen nur bei Menschen wahrscheinlich, die direkt mit kranken Tieren in Berührung kämen, wie etwa die Züchter.
Auch das für Viruserkrankungen zuständige Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin warnt davor, die Gefahr zu dramatisieren. Die Menschen in Deutschland "müssen keine Angst haben", sagte RKI-Präsident Reinhard Kurth in den ARD-"Tagesthemen". Deutschland habe einen Pandemieplan und Maßnahmenkatalog und müsse nun die Zeit nutzen, während das Virus "immer näher an uns heranrückt".
Kurth betonte zugleich, dass im Falle einer für den Menschen gefährlichen Pandemiewelle zunächst kein Impfstoff vorhanden sein werde. Man wisse nicht, wie ein solches, hoch ansteckendes neues Virus aussehen werde, das beispielsweise aus der Vermischung eines saisonalen Grippevirus mit einem Vogelgrippeerreger entstehen könnte. Erst etwa drei bis sechs Monate nach Ausbruch einer Pandemie wäre ein Impfstoff verfügbar.
Zuvor hatte sich bestätigt, dass die für den Menschen lebensgefährliche Variante der Vogelgrippe die Grenzen Europas erreicht hat. Der Virus-Stamm H5N1 wurde in der Türkei isoliert. Bei den in Rumänien gefundenen Vogelgrippe-Erregern war noch unklar, ob es sich um die gleiche Variante handelt. Tests eines britischen Labors sollen heute Klarheit bringen. In Asien sind seit 2003 mehr als 60 Menschen an der Vogelgrippe gestorben.