Wahrnehmung: Muttergeruch justiert Babynase - DER SPIEGEL
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Wahrnehmung Muttergeruch justiert Babynase

In den ersten Wochen wird der Geruchssinn von Neugeborenen automatisch auf den Duft der Mutter programmiert. Andere, später auftretende Gerüche werden vergleichsweise schwächer wahrgenommen, fanden US-Forscher bei Tests mit Ratten heraus.
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Die Forscher von der University of California in San Diego verstopften neugeborenen Versuchsratten jeweils ein Nasenloch und entzogen damit einer Gehirnhälfte diese Geruchsimpulse. So konnten sie für dasselbe Tier vergleichen, wie sich der Geruchssinn mit und ohne den frühen Geruchsinput der Mutter verändert.

Als Schlüsselkomponenten für die frühe Geruchsanpassung identifizierten Kevin Franks und Jeffry Isaacson in ihren Experimenten zwei Rezeptoren, AMPA und NMDA. Die beiden Rezeptoren arbeiten in der Empfangsstation der Nervenzellen im Gehirn. Ein Geruch wird dabei als Impuls von der Nase in die Empfangsstation geleitet und trifft dort in Form des chemischen Botenstoffs Glutamat ein. Ab einer bestimmten Reizschwelle wird hier ein weiterer Nervenimpuls ausgelöst und in einem höheren Gehirnzentrum verarbeitet: Jetzt nimmt das Tier den Geruch wahr.

Auf der Seite mit dem verstopften Nasenloch nahm die NMDA-Aktivität im Vergleich zur riechfähigen Seite ab, wie Franks und Isaacson im Verlauf weniger Wochen nach der Geburt der Ratten beobachteten. Gleichzeitig habe die AMPA-Aktivität leicht zugenommen, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Neuron" (Bd. 47, S. 1-14).

Entscheidend für die Justierung der Geruchswahrnehmung ist das Verhältnis von NMDA- zu AMPA-Rezeptoren. Die AMPA-Rezeptoren verändern die Nervenzellen so, dass sie mehr Nervenimpulse empfangen. Die relative Abnahme der NMDA-Rezeptoraktivität bewirkt daher, dass die Nervenzellen aktiver werden.

Außerdem verloren die Empfangsstationen auf der riechfähigen Seite sogenannte stille NMDA-Rezeptoren. Diese haben wie der Joker beim Kartenspiel zunächst keine feste Funktion. Werden sie jedoch einmal durch die erste Geruchserfahrung geprägt, behalten sie diese Funktion nahezu unveränderbar bei. So bewirkt der Geruch der Mutter eine Art Prägung des Geruchssinns. Als Folge werden später auftretende Gerüche vergleichsweise schwächer wahrgenommen.