Zeitmessung: Im Kopf tickt eine Stoppuhr - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Zeitmessung Im Kopf tickt eine Stoppuhr

Auf die innere Uhr ist durchaus Verlass. Wenn an jedem Arbeitstag um sechs der Wecker klingelt, ist am Wochenende kaum ununterbrochenes Schlafen möglich. Doch im Kopf läuft auch eine Stoppuhr, und die ist wahrscheinlich mit dem Bewegungssehen gekoppelt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zur Studie der inneren Stoppuhr setzte ein Forscherteam um Javier Medina von der University of California in San Francisco Affen vor einen Bildschirm. Hier konnten sie ein Objekt beobachten, dass sich von einer Seite des Schirms zu anderen bewegte.

Nach einem bestimmten Zeitintervall sprang das Objekt jedoch plötzlich einige Zentimeter nach oben und setzte auf der neuen Höhe seine Bahn fort. Kam der Sprung für die Affen anfangs noch überraschend, so gewöhnten sie sich mit der Zeit daran und lernten, dem Objekt blitzschnell mit den Augen zu folgen.

Doch von Zeit zu Zeit ließen die Forscher den Sprung ausfallen. Das Objekt glitt dann ununterbrochen auf dem Monitor dahin. Nach ihrem Training erwarteten die Affen aber eine Veränderung und lenkten genau zu dem gelernten Zeitpunkt ihre Blickrichtung nach oben. So wollten sie dem erwarteten Richtungswechsel folgen.

In weiteren Versuchsrunden variierten die Wissenschaftler den Zeitabstand zwischen dem Bewegungsstart und dem Sprung des Objektes. Auch die Geschwindigkeit und Position beim Sprung wurden verändert.

Es zeigte sich, dass sich die Affen vor allem auf ihre innere Stoppuhr verließen, um den Zeitpunkt des Sprunges vorherzusagen. Die Bewegung selbst und nicht die Position des Objektes sei für die interne Zeitmessung entscheidend, schlossen die Forscher aus ihren Beobachtungen. Sie gehen auch davon aus, dass die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind.

Wahrscheinlich fand im Gehirn der Affen ein kompliziertes Teamwork statt. Dabei spiele das an Bewegungsprozessen beteiligte Kleinhirn eine Rolle. Seine Informationen würden mit der Geschwindigkeit der Augenbewegung und den eintreffenden Bewegungssignalen verrechnet, vermuten die Forscher, die ihre Ergebnisse in dem Magazin "Neuron" (Ausg. 45, Nr. 1, S. 157) veröffentlichten. Dieser innere Mechanismus zur genauen Messung kurzer Zeiträume würde also vor allem beim Beobachten bewegter Objekte funktionieren.