Zeitverschiebung: Software soll Jetlag bekämpfen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Zeitverschiebung Software soll Jetlag bekämpfen

Mit Computerhilfe gegen Müdigkeit: US-Forscher haben eine Software entwickelt, die beim Kampf gegen den Jetlag helfen soll. Sie rechnet genau aus, wann sich Vielflieger dem Sonnenlicht aussetzen sollen - und berücksichtigt dabei individuelle Tagespläne.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

San Francisco - US-Wissenschaftler wollen Jetlag-Geplagten mit einer neuen Software künftig helfen, sich schneller und besser an die neue Zeit anzupassen. Auf der Basis verschiedener Daten wie etwa der aktuellen Helligkeit und der Anzahl übersprungener Zeitzonen errechnet das Programm einen Zeitplan für die optimale Tagesaufteilung, einschließlich der Zeiten, in denen sich der Betroffene gezielt hellem Licht aussetzen sollte. So soll die aus dem Takt geratene innere Uhr möglichst schnell an die tatsächliche Zeitzone angepasst werden, ohne den geplanten Tagesablauf zu sehr zu beeinträchtigen. Über ihr System berichten Dennis Dean vom Brigham & Women's Hospital in Boston und seine Kollegen im Fachmagazin "PLoS Computational Biology" .

Wenn die innere Uhr und die tatsächliche Zeit, speziell der Hell-Dunkel-Zyklus, nicht mehr synchron laufen, geraten viele Regelsysteme des Körpers durcheinander. Die Folgen können unter anderem Probleme beim Schlafen, Verdauungsstörungen, kognitive Schwierigkeiten und Verhaltensveränderungen sein. Eine wirksame Gegenmaßnahme ist das gezielte Verändern der Lichtverhältnisse, speziell der Einsatz sehr heller Tageslichtlampen, deren Licht sich der Betroffene für eine gewisse Zeit aussetzt.

Wie effektiv diese Methode ist, hängt dabei allerdings von einer ganzen Reihe von Faktoren ab, darunter die Wellenlänge des Lichts, die Lichtintensität, die Dauer der Bestrahlung und - vor allem - ihr Timing. Denn der Einfluss der einzelnen Faktoren auf die Synchronisierung zwischen innerer und äußerer Uhr ist nicht linear. So kann zum Beispiel eine Bestrahlung von anderthalb Stunden 75 Prozent des Effekts haben, den eine sechseinhalbstündige Lichtexposition hätte, obwohl es sich um weniger als ein Viertel der Zeit handelt. Daher ist es laut den Forschern praktisch unmöglich, einfache allgemeingültige Empfehlungen für diese Bestrahlungen zu entwickeln.

Das neue Programm berücksichtigt nach ihren Angaben auch die komplexen Abhängigkeiten. Es basiert auf einem mathematischen Modell des Schrittmachers der inneren Uhr, mit dem sich die mögliche Wirkung eines bestimmten Bestrahlungsplans relativ genau simulieren lässt, inklusive der Frage, wie stark sich die Leistungsfähigkeit erhöht.

Vor allem jedoch, das betonen die Forscher mehrmals, orientiert sich die Software beim Berechnen der Tagespläne am vom Nutzer vorgegebenen Zeitplan, etwa feststehenden Arbeitszeiten oder anderen Terminen, die nicht verschoben werden können. Sie werden so in den Plan integriert, dass die Bestrahlungsperioden den höchstmöglichen Nutzen erzeugen, selbst wenn Arbeit oder Schlaf nicht optimal an die innere Uhr angepasst werden können.

Deans Forscherteam ist beileibe nicht das einzige, das nach Mitteln und Wegen gegen den Jetlag sucht. 2007 berichteten argentinische Wissenschaftler über Versuche mit Hamstern: Das Potenzmittel Viagra milderte demnach den Jetlag der Tiere.

Als nächstes wollen die US-Forscher ihre Jetlag-Software optimieren und es auch für andere Gegenmittel als Licht - Koffein, kurze Nickerchen oder die Einnahme von Melatonin - einsetzen. Ob und - wenn ja - wann es auf dem Markt verfügbar sein wird, dazu machten sie keine Angaben.

lub/ddp