Mini mit Mätzchen - DER SPIEGEL
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Automobile Mini mit Mätzchen

Das Swatch-Auto bedrängt die Zulieferbetriebe. Sie können die strengen Preisvorgaben nicht erfüllen.
• aus DER SPIEGEL 33/1995
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Begeistert äußerte sich der Konzernchef nach einer ersten Probefahrt: »Hervorragend. Die Sitzposition ist unglaublich. Das Ding hat eine einmalige Straßenlage.«

Fast sei er versucht gewesen, »damit mal in die Stadt zu fahren«, schwärmte Jürgen Schrempp im internen Kreis. Doch so weit wollte der Vorstandsvorsitzende des Daimler-Benz-Konzerns dann doch nicht gehen. Von öffentlichen Auftritten sind die Prototypen des Swatch-Mobils, das inzwischen »Smart« genannt wird, noch weit entfernt. Einzelheiten über den Öko-Flitzer, der in zwei Jahren mit dem Prädikat »concept by Mercedes-Benz« im lothringischen Hambach vom Band laufen wird, sind größtenteils noch streng geheim, teilweise noch gar nicht beschlossen.

Als sicher gilt: Smart wird zweieinhalb Meter lang sein, er wird zwei Personen Platz bieten und in vier Motorvarianten angeboten werden: *___Dreizylinder-Benziner mit Turbolader (Verbrauch ____unter vier Liter/100 km), *___Dreizylinder-Turbodiesel (Verbrauch unter drei ____Liter/100 km), *___Elektroantrieb mit Motoren an allen vier Radnaben ____(Reichweite 120 bis 180 Kilometer), *___kombinierter Diesel- und Elektroantrieb.

Von Herbst 1997 an sollen 90 Händler das zwergenhafte Öko-Mobil vertreiben. Bis dahin gilt es allerdings noch, einige Konflikte zwischen Mercedes und dem Vertragspartner, dem Uhrenfabrikanten Nicholas Hayek, auszuräumen, der das Grundkonzept erdachte und gemeinsam mit Mercedes das Unternehmen MCC ("Micro Compact Car") im schweizerischen Biel gründete.

In Stuttgart gibt es zunehmend Streit um Smart. Im Vordergrund stehen verletzte Eitelkeiten der schwäbischen Autobauer, die sich von dem eloquenten Selbstdarsteller Hayek bevormundet fühlen. Es sei der Eindruck entstanden, erklärte Schrempp, »als müsse uns Herr Hayek beibringen, wie man Autos baut«.

Genau das kann der Uhrenmogul aus Zürich offensichtlich nicht. Die Entwicklung der alternativen Antriebe etwa, die Hayek gern als Schweizer Technologie darstellt, hat längst ein Mercedes-Mann übernommen, der Ingenieur Günther Knörzer, einst für alternative Motorenforschung in Stuttgart zuständig. Verantwortlich für das gesamte MCC-Projekt ist ebenfalls ein ehemaliger Mercedes-Entwickler, der Ingenieur und Designer Johann Tomforde.

1,3 Milliarden Mark werden in die Swatch-Entwicklung fließen. Die Investition sollte sich bereits zwei Jahre nach der Markteinführung bezahlt machen. Inzwischen wird diese Einschätzung auch werksintern als Wunschdenken abgetan.

Soll er sich in der gewünschten Stückzahl von 200 000 Smartcars pro Jahr verkaufen lassen, darf der Wagen in der Basisversion höchstens 15 000 Mark kosten - eine Preisstufe, die Mercedes vor 20 Jahren verlassen hat.

Die Kostenprobleme bringen nun vorwiegend die Zulieferer in Bedrängnis, die etwa 80 Prozent der Teile des Swatch-Mobils herstellen werden. Schier unerfüllbare Preisvorgaben führten jüngst gar zu schweren Zerrüttungen in der tief verwurzelten Schwaben-Bruderschaft Mercedes/Bosch.

Der Stuttgarter Zulieferer sollte ursprünglich die Armatureneinheit herstellen, mußte jedoch passen: Ließe sich Bosch auf die Bedingungen von Mercedes ein, müßte die Firma bei er Produktion draufzahlen. Nun soll die Mannesmann-Tochter VDO für die Herstellung des Swatch-Cockpits gewonnen werden.

Auch die ursprünglich geplanten technischen Besonderheiten werden nach genauerer Kalkulation nicht mehr bezahlbar sein. Als Markenzeichen sollte das Swatch-Mobil beispielsweise die Fähigkeit besitzen, unversehens sein Aussehen zu verändern. Noch kurz vor seinem Amtsantritt als Konzernvorstand im Mai erklärte Schrempp: »Sie können zum Händler sagen, ich möchte mein Auto gerne mit einer anderen Front, ein bißchen breiter, sportlicher haben. Das wird klappen, weil das Auto so konzipiert ist, daß Module nur ausgetauscht werden müssen.«

Aus dem geplanten Chamäleon wird ein Mini mit Mätzchen. Der Kunde wird lediglich kleinere Bauteile austauschen können: Im Gespräch ist ein Schnellverschluß für den Einsatz verschiedener Lenkräder. Doch selbst dieser Kniff ist nicht so einfach realisierbar und wird voraussichtlich zum Serienstart noch nicht lieferbar sein. Der Schnellverschluß darf den Airbag-Mechanismus nicht behindern.

Während die Forscher sich noch mit derlei Problemen plagen, blickt Konzernchef Schrempp bereits in die fernere Zukunft: »Ich diskutiere mit den Leuten schon den Nachfolger. Die Frage ist, schaffen wir es, noch einmal so viele innovative Ideen wie jetzt umzusetzen?«

Der Plan, die Kreativen jetzt schon gehörig anzufeuern, erwächst aus Kleinmut. »Eines ist klar«, sinniert Schrempp über sein erstes Smartie, »dieses Auto wird keine acht Jahre leben.«

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