TIERE Mit dem Tiger Gassi gehen
Die meisten Tiger pirschen nicht im Unterholz einsamer Wälder. Sie traben an der Leine ihrer eitlen Herrchen. Nach Schätzungen der American Zoo and Aquarium Association leben in den USA 12 000 dieser Raubkatzen als Haustiere, während in freier Wildbahn nur noch 5000 bis 7500 Tiger vorkommen. Allein die Tigerpopulation von Texas übersteigt mit 4000 Tieren diejenige von ganz Indien. Die Tiger, häufig überschüssige Zootiere, werden mittlerweile professionell gezüchtet. Ein bengalischer Babytiger bringt seinem Züchter rund 1000 Dollar ein. Auf Internet-Seiten werden sie inseriert, abgebucht wird von der Kreditkarte. Für die Abnehmer, darunter auch der für seinen Ohr-Biss berühmte US-Boxprofi Mike Tyson, ist ihre Megamieze ein Statussymbol. Ähnlich wie einst bei asiatischen Sultanen oder afrikanischen Despoten soll sie ihrem Besitzer Macht verleihen. Manchem wird sie jedoch auch zum Verhängnis: In den letzten Jahren sind in den USA fünf Menschen von Haustigern totgebissen worden. Viele Interessenten kaufen die Tiere lediglich, um sie zu töten. Die Raubkatzen enden dann als flauschige Bettvorleger, weil ihr Fell zehnmal teurer ist als ein lebendes Exemplar.