Albatros-Rekord: Mutter mit 63
Mutter mit 63 Albatros-Oma brütet wieder
Mutter mit 63 - aus menschlicher Sicht nahezu unmöglich, zumindest ohne mit moderner Medizin nachzuhelfen. Für Albatros-Weibchen Wisdom, zu Deutsch: "Weisheit", scheint Mitte 60 dagegen genau der richtige Zeitpunkt zu sein, erneut Mutter zu werden. Vor wenigen Tagen hat sie ein Ei gelegt, wie der US Fish and Wildlife Service berichtet .
Biologen hatten dem Laysan-Albatros 1956 bei der Brut einen Erkennungsring über den Fuß gestreift. Das war das Jahr, in dem das Fernsehen der DDR seinen regulären Sendebetrieb aufnahm und Marilyn Monroe Arthur Miller heiratete. In Deutschland war Konrad Adenauer seit sieben Jahren Bundeskanzler.
Partner fürs Leben
Wisdom ist der älteste Wildvogel, den Biologen je beobachtet haben. Wie alt genau das Albatros-Weibchen ist, wissen die Forscher nicht, aber sie kennen das Mindestalter: Albatrosse brüten frühestens im Alter von fünf Jahren, oft auch erst im Alter von acht bis neun. Sollte Wisdom früh dran gewesen sein und die Wissenschaftler sie bei ihrem ersten Brutversuch beringt haben, wäre sie heute 63. Wahrscheinlich ist sie aber sogar noch ein paar Jahre älter.
Rüstiger Albatros: Mit 60 Jahren erneut Mutter
Wisdom kehrt jedes Jahr auf das Midway-Atoll im nördlichen Pazifik zurück, um dort ein Nest zu bauen. Laysan-Albatrosse legen immer nur ein Ei und verbringen dann gemeinsam mit ihrem Partner zwei Drittel des Jahres, um es auszubrüten und das Küken aufzuziehen. Wisdom brütet inzwischen das sechste Jahr in Folge. Auch 2011 konnte die Allgemeinheit sie beim Brüten und der Aufzucht eines Jungtiers beobachten. 30 bis 35 Küken hat sie laut Forscherangaben seit 1956 gemeinsam mit ihrem Partner großgezogen.
Laysan-Albatrosse bleiben ein Leben lang mit dem gleichen Partner zusammen und treffen sich jedes Jahr im November an ihren Stammplätzen zum Brüten und zur Aufzucht der Jungen. Auf dem Midway-Atoll, das zu den Nordwestlichen Hawaii-Inseln gehört, brüten 70 Prozent aller Laysan-Albatrosse. Den Rest ihrer Zeit verbringen die Vögel auf hoher See.
Single-Leben auf hoher See
Tage- oder gar wochenlang segeln sie dort, ohne einmal zu landen. Möglich macht das eine sparsame Flugtechnik: Albatrosse gleiten in einem ständigen Auf und Ab über den Ozean und suchen nach Tintenfischen, Krebstieren und anderer Beute.
Das Leben dort ist allerdings gefährlich. Viele Albatrosse verwechseln Müll, der im Ozean schwimmt, mit Futter und fressen haufenweise Plastik oder alte Fischernetze. Andere verenden in den Langleinen der Fischindustrie. Die Weltnaturschutzunion IUCN schätzt, dass jedes Jahr 5000 bis 18.000 Laysan-Albatrosse in Langleinen sterben. Trotzdem gilt die Population als stabil: Derzeit besteht sie aus etwa 2,5 Millionen Vögeln. Bei anderen Albatross-Arten sieht es deutlich schlechter aus: 19 von 22 gelten als gefährdet.