Antarktis: Klimawandel bedroht Kaiserpinguine - DER SPIEGEL
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Antarktis Klimawandel bedroht Kaiserpinguine

Antarktische Wanderer in Gefahr: Nach einer neuen Prognose könnten die Kaiserpinguine im Jahr 2100 vom Aussterben bedroht sein - zumindest wenn das antarktische Seeeis entsprechend den aktuellen Vorhersagen schmilzt.
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Washington - Schwarz-weiß mit einem Hauch von orange: Die majestätischen Kaiserpinguine, die größten und schwersten Vertreter ihrer Familie, stehen wie ein Symbol für die eisige Lebenswelt der Antarktis. Eine Forschergruppe um Stéphanie Jenouvrier von der amerikanischen Woods Hole Oceanographic Institution hat sich nun angesehen, wie die Tiere mit dem Klimawandel klarkommen.

Kaiserpinguine: Lange Wanderungen zwischen Brut- und Nahrungsplätzen

Kaiserpinguine: Lange Wanderungen zwischen Brut- und Nahrungsplätzen

Foto: AP

Und die Prognosen klingen wenig erfreulich: In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Proceedings of the National Academy of Sciences" schreiben die Wissenschaftler, die Wahrscheinlichkeit, dass der Bestand der Tiere bis zum Ende dieses Jahrhunderts einen Bruchteil der jetzigen Größe zusammenschrumpft, liege bei fast 40 Prozent.

Für die Prognose hatten die Forscher Bestandsaufnahmen der Kaiserpinguine im antarktischen Adelieland in den Jahren 1962 bis 2005 genutzt. Bei der Auswertung der Daten hatten sie festgestellt, dass häufige Warmwetterphasen das Wachstum der Pinguinpopulation dramatisch verringerten. Diesen Zusammenhang übertrugen die Wissenschaftler anschließend auf die Vorhersagen des Weltklimarats IPCC.

Nimmt der Packeisgürtel um die Antarktis gemäß dieser Vorhersagen ab, werden im Jahr 2100 von den aktuell 6000 nur mehr etwa 400 brütende Paare des größten aller Pinguine übrig sein, errechneten die Forscher. Für die Königspinguine, die etwas kleineren Verwandten der nun betrachteten Art, hatten Wissenschaftler bereits im vergangenen Jahr drastische Warnungen ausgesprochen.

Bis vor kurzem war noch nicht recht klar, wie stark sich die Antarktis erwärmt. Untersuchungen hatten vor allem einen Temperaturanstieg auf der westlichen Antarktischen Halbinsel belegt, einer 800 Kilometer langen Landzunge, die in Richtung Südamerika zeigt. Doch eine Studie von Wissenschaftlern um Eric Steig von der University of Washington in Seattle hatte erst unlängst gezeigt, dass die Klimaerwärmung die Antarktis überall trifft - und nicht nur in Randbereichen. Im Fachmagazin "Nature" waren die Forscher zu der Schlussfolgerung gekommen, dass die Temperaturen am Südpol schon seit einem halben Jahrhundert steigen.

Für die Kaiserpinguine könnte das gefährlich werden. Die Tiere sind bekannt für ihre langen Wanderungen zwischen Brut- und Nahrungsplätzen. Einer breiten Öffentlichkeit wurden sie durch den Dokumentarfilm "Die Reise der Pinguine" des französischen Antarktisforschers Luc Taquet bekannt. Die Kaiserpinguine sind die einzigen Wirbeltiere, die längere Zeit im antarktischen Inland verweilen. Auf dem sicheren Festland paaren sich die Tiere und brüten. Anschließend wandern sie auf das geschlossene Meereis, um ihre Jungen aufzuziehen.

Für die Nahrungssuche begeben sich die Tiere an die Packeisgrenze. Ein frühes Aufbrechen oder Verschwinden des Eises würde die Fortpflanzungsraten dramatisch senken und den Pinguinen ihre Nahrungsgrundlage entziehen. Der einzige Ausweg für die flugunfähigen Seevögel bestünde in schnellen Anpassungen, beispielsweise durch eine frühere Brutperiode oder das Abwandern in andere Brutgebiete. Bisher erwiesen sich die langlebigen Tiere aber als wenig anpassungsfähig, schreiben die Wissenschaftler.

chs/dpa