Arktis: Forscher finden Müll in der Tiefsee - DER SPIEGEL
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Abfall am Meeresboden Immer mehr Müll in der arktischen Tiefsee

Plastikteile schweben im Wasser, Glasreste liegen am Boden: Messungen deutscher Forscher zeigen, wie stark die arktische Tiefsee mit Zivilisationsmüll belastet ist. Das sensible Ökosystem ist in Gefahr.
Plastikfetzen in der arktischen Tiefsee
Plastikfetzen in der arktischen Tiefsee

Plastikfetzen in der arktischen Tiefsee

Foto: Ofos/ dpa
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Wissenschaftler warnen: Die arktische Tiefsee wird zur Müllhalde. 2500 Metern unter der Meeresoberfläche dümpeln selbst dort große Mengen Zivilisationsmüll: Glas, Plastik, Fischernetze. Eine Langzeitmessung der Forscherinnen Mine Banu Tekmann und Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven hat ergeben, dass die Mülldichte in der abgelegenen Region in den vergangenen zwölf Jahren stark angestiegen ist.

Seit 2002 beobachteten sie den Meeresboden in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen an zwei Messpunkten mit einem ferngesteuerten Kamera-System. Dabei wurden insgesamt 7058 Fotos aufgenommen. Auf 82 davon konnten sie insgesamt 89 Müllteile entdecken, was wenig erscheinen mag. Doch hochgerechnet ergibt sich daraus, dass zwischen 2002 und 2014 durchschnittlich 3485 Müllteile pro Quadratkilometer auf dem Meeresboden lagen.

Die durchschnittliche Mülldichte hat sich währenddessen offenbar fast verdoppelt. Allerdings geschah diese Verdopplung nicht gleichmäßig, sondern in Schüben mit Zwischenhochs und -tiefs. Ergaben die Messungen 2002 noch einen Mittelwert von 3523 Müllpartikeln pro Quadratkilometer, kamen die Wissenschaftler 2011 auf den bis dahin höchsten Wert von 4959 Müllteilen pro Quadratkilometer.

Damals hofften sie noch, es hätte sich bei dem Anstieg von 2011 um einen "Ausreißer" handeln können. Doch der Aufwärtstrend hält seither an, hat sich beschleunigt und erreichte seinen bisherigen Höchststand 2014 bei einem 6566 Teilen pro Quadratkilometer. Wert von 6566 Teilen pro Quadratkilometer.

Teil eines Plastiknetzes in der arktischen Tiefsee

Teil eines Plastiknetzes in der arktischen Tiefsee

Foto: Melanie Bergmann ofos/ dpa

Besonders dramatisch sei die Situation an der nördlicheren Messstation: "Hier ist die Verschmutzung in den Jahren von 2002 bis 2014 um mehr als das Zwanzigfache gestiegen", sagt AWI-Biologin Tekman. Betrachtet man nur dieses nördliche Gebiet, ergab die Messung 2002 nur 346 Müllteile pro Quadratkilometer. 2013 hingegen ergaben die Messungen an dieser Station einen Wert von 8082 Teilen pro Quadratkilometer. "Bei unseren Untersuchung haben wir nur Partikel von mindestens zwei Zentimetern Größe gezählt", betonte Bergmann.

Der Golfstrom ist ein Müllstrom

Das Glas am Boden ist demnach am leichtesten zu erklären. Das Material driftet nicht über größere Distanzen. Es sinke an Ort und Stelle auf den Meeresgrund, erklären die Forscherinnen. Die Messreihe zeige somit: Mit der Intensität der Schifffahrt in der Region nimmt auch die Mülldichte zu.

Schwieriger sei es, die Herkunft des Plastikmülls in den arktischen Gewässern zu erklären: Plastik lege im Meer meist weite Strecken zurück, bevor es den tiefen Meeresgrund erreiche. Dabei sei der Einfluss des Golfstroms auf die Verbreitung von Plastikmüll in der Arktis unbestritten. Er transportiere die Plastikteile aus den südlichen Atlantikregionen in die Framstraße.

Zudem formulierten die Biologinnen einen neuen Ansatz: Es könnte einen Zusammenhang zwischen der Mülldichte und der Meereis-Ausdehnung geben. "Das Meereis könnte demnach ein Transportmittel für Müll sein und diesen während der Schmelzperiode im untersuchten Gebiet freigeben", sagte Bergmann. Bislang sei man vom Gegenteil ausgegangen, da man das Eis eher als eine Barriere gegen die Verschmutzung betrachtetet habe.

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mak/dpa

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