Artensterben: Brennpunkte der Bedrohung verschieben sich - DER SPIEGEL
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Artensterben Brennpunkte der Bedrohung verschieben sich

Weil ihr natürlicher Lebensraum immer kleiner wird, sind viele Wildtierarten bedroht. Die Brennpunkte des Säugetier-Aussterbens könnten sich verschieben - in Regionen, die bisher im globalen Artschutz noch keine große Rolle spielen.
Gefährdeter Drill-Affe in Nigeria (Archivbild): Lebensräume schrumpfen
Gefährdeter Drill-Affe in Nigeria (Archivbild): Lebensräume schrumpfen

Gefährdeter Drill-Affe in Nigeria (Archivbild): Lebensräume schrumpfen

Foto: HELEN VESPERINI/ AFP
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London - Wir werden immer mehr - und wir werden immer hungriger. Das Bevölkerungswachstum und der steigende Nahrungsmittelbedarf der Menschheit sind schuld daran, dass immer mehr Säugetiere vom Aussterben bedroht sind. Rodungen, Ackerbau und Überweidung lassen die Lebensräume für viele Wildtierarten immer weiter schrumpfen.

Wissenschaftler um Piero Visconti von der Sapienza Universität in Rom berichten im Fachmagazin "Philosophical Transactions of the Royal Society B", dass sich der größte Artenschwund unter den Säugetieren zukünftig in Mexiko und einigen Ländern Afrikas abspielen könnte. In diesen Weltgegenden schrumpft der Lebensraum für Wildtiere bis 2050 so stark, dass das Überleben zahlreicher Arten gefährdet sein könnte.

Die Wissenschaftler hatten den Lebensraumbedarf von 5.086 Säugetierarten analysiert. Anschließend hatten sie die Daten mit vier verschiedenen Szenarien der menschlichen Landnutzung in den nächsten Jahrzehnten abgeglichen. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass in Ländern wie Kamerun, der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria und Mexiko Probleme durch schwindende Lebensräume drohen dürften. Aber auch die USA stufen die Forscher als zukünftigen Brennpunkt ein.

In Europa stünden die Dinge dagegen besser. Lebensraumverlust und Artenschwund könnten dort der Prognose zufolge auch in Zukunft eher moderat bleiben. Schwierigkeiten könnten sich allerdings durch die Auswirkungen des Klimawandels ergeben. Diese hätten sie nicht gesondert berücksichtigt, räumen die Forscher ein.

Klimawandel nicht berücksichtigt

Auch die Folgen der besonders in Europa forschreitenden Zerstückelung von Lebensräumen sind in den Modellen nicht eingerechnet. "Unsere Szenarien sind nicht als akkurate Vorhersage der Zukunft gedacht, sondern eher als Erkundung möglicher Konsequenzen, die verschiedene Entwicklungen haben könnten", sagt Forscher Visconti.

Die prognostizierten Brennpunkte des Artenverlustes unterschieden sich auffallend von den heutigen, sagen die Forscher: "Die meisten Länder, die wir als zukünftige Bedrohungs-Hotspots bei landlebenden Säugetieren identifizierten, haben im heutigen globalen Artenschutz noch keine Priorität.", Das zeige, wie wichtig es sei, die künftigen Brennpunkte rechtzeitig zu ermitteln und entsprechend vorbeugend zu handeln.

Zurzeit gelten gut 1100 Säugetierarten als akut gefährdet. Besonders stark vom Aussterben bedroht sind Säugetiere derzeit vor allem in Süd- und Südostasien, den tropischen Anden in Südamerika und dem ursprünglich weitgehend von Regenwald bewachsenen westlichen Ghatgebirge in Indien. "In allen diesen Regionen treffen ein großer Artenreichtum, viele in ihren Lebensräumen sehr eingeengte Arten und ein starker Druck durch menschliche Aktivitäten aufeinander", stellen die Wissenschaftler fest. Diese Faktoren seien auch in Zukunft noch gültig. Wo sie sich aber in 50 Jahren für die wildlebenden Säugetiere am stärksten auswirken, zeigt erst ihre neue Prognosenkarte.

Als Beispiele für stark vom Lebensraumverlust betroffene Tiere nennen die Wissenschaftler die im Regenwald Ostafrikas heimischen Malawi-Galagos oder den Kaschmir-Moschushirsch in Indien. Weitaus bekannter und ebenso bedroht sei der in den USA heimische Rotwolf. Von ihm gibt es heute nur noch kleine Restbestände in den US-Bundesstaaten Texas und Louisiana. Auch der in den Prärien der USA vorkommende Kitfuchs könnte bis 2050 durch den Verlust seines Lebensraums gefährdet sein.

chs/dapd

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